Bodycode – Immune

am

Es fühlt sich seltsam an, ein Album, das auf Ghostly International, genauer Spectral Sound erscheint, nicht zu mögen. Tatsächlich fließt „Immune“, das neue Album von Alan Abrahams als Bodycode, ganz angenehm an einem vorbei. Einfache und unbeschwerte Hintergrundmusik. Aber das ist nicht das, was versprochen wird, oder besser, was erwartet wird.

Natürlich ist das Album nicht schlecht, allerdings platzt der Knoten spät, zu spät. Bis das komplexe komplexe „Subspace Radio“ erstmals aufhorchen lässt, vergehen 45 Minuten. „Subspace Radio“ und das nachfolgende „Spacial Harmonics“ aber lohnen die Auseinandersetzung. Ersteres treibt den Hörer in immer neue auditive Erlebniswelten, denn Abrahams Einfallsreichtum an klanglichen Ideen, der schon zuvor durchgängig zu Tage tritt, fließt endlich in geglückte, belohnende und faszinierende Bahnen. Futurismus und Primitivität, Ursprung und robotische Weiterentwicklung der Menschheit treffen musikalisch aufeinander. „Spacial Harmonics“ setzt an dieser Idee mit rituellen Rhythmen an. Zudem imitieren digitale oder vielleicht sogar reale Holzbläser frühe Computerklänge und erzeugen polyrhythmische Filmklänge. Darunter schiebt sich sacht der Beat, der langsam das Kommando übernimmt. Ein grandioses Stück Musik entsteht. Glückshormone durchströmen den Körper in Zeitlupe. Jeder Moment der Ekstatisierung erscheint einzeln nachvollziehbar.

Der abschließende Titeltrack ist einfacher und in gewissem Sinne so wenig spektakulär wie der Rest des Albums. Möglicherweise ist es der hektisch asynchrone Beat, vielleicht stimmen einfach die vorhergehenden Albumhöhepunkte milde, auf jeden Fall greift das kitschige Piano erfolgreich das Herz, während der Maschinenbeat stumpf, ab und an stolpernd, voranschreitet. Vocals stützen beides, Kitsch wie fassende Monotonie des Beats. Trägheit der Melodie gegen schnelle metronome Anleitung des Hörers verbinden sich gelungen.

Der Rest aber … Schon die Eröffnung in „Meaning And Memory“ scheitert. Unterkühlt stampft die Nummer voran und erschöpft in ihrer langweiligen Monotonie. Ein Spannungsbogen fehlt nahezu vollkommen. „Meaning And Memory“ lässt sich nur dann als effizient bezeichnen, wenn der Künstler damit zu ermüden beabsichtigt. „Hyperlight“ schließt sich hektisch an. Kurze vokale Brocken verhindern eine rein ambiente Wirkung, tragen aber keinerlei Nutzwert bei. „Imitation Lover“ deutet bereits die Qualität der abschließenden lohnenden Tracks an. In Teilen etwas herkömmlich gestrickt, setzt Abrahams hier Vocals einmal gelungen ein. Funktional auf den Club gerichtet, passt das bis auf einen Mangel an Nachhaltigkeit.

Allgemein gilt: Ideen treffen auf Einfälle, wirklich zu Ende gedacht und umgesetzt wird keine und keiner. Dieser Mangel an Stringenz tritt besonders in „I’ll Hold Your Hand“ zu Tage. Voll gepackt bis oben hin, vergisst Alan Abrahams die Handbremse beim Losfahren zu lösen. Kaum besser ergeht es „What Did You Say?“. Die instrumental gelungene Umsetzung wird von den Vocals tot gelabert. Am spektakulärsten scheitert „Arigato“. Langsam beginnend versprechen subtile Effekte im Hintergrund Großes. Gehalten wird nichts. Vokalsamples und herkömmliche House-Elemente zerstören mal um mal den lohnenden Aufbruch.

Positiv formuliert, ließe sich sagen, Bodycodes Album „Immune“ steigere sich durchgängig. Allerdings ist der Beginn dieser Bergfahrt zu tief unten im Tal. Insgesamt wirkt die Platte zwar detailverliebt und ambitioniert, aber in weiten Strecken vor allem unmotiviert.

Advertisements