The Juan MacLean – The Future Will Come

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Lauten die ersten Assoziationen bei einem neuen Album auf DFA – dem Label von James Murphy, Tim Goldsworthy und Jonathan Galkin – Lady GaGa oder ähnliche Elektro-Pop-Trash-Acts, handelt es sich vermutlich um ein Missverständnis. Oder? Oder die Unterschiede zwischen elektronischer, an den 1980er Jahren inspirierter Pop-Massenware und den aus No Wave, New Wave und Post-Punk entspringenden Electroclash/Dancepunk-Produktionen aus Häusern wie DFA haben sich in den letzten Jahren fast vollständig wegnivelliert.

Im Fall von The Juan MacLeans „The Future Will Come“ hören wir vermutlich tatsächlich die Zukunft in Form dieser Annäherung der allgemein verständlichen Klangwelten des Radios und denjenigen der New Yorker (DFA-)Labore. So zeigt sich das Album als Sammlung perfekter Pop-Songs, die weder futuristisch noch mutig sind, die vielmehr ein grandioses Gespür für die Gestaltung unbeschwert genießbarer und einfach appetitlicher Stücke offenbaren.

Nach den instrumentalen Synthesizerflächen zu Beginn von „The Simple Life“ und vor dem abschließenden Hit „Happy House“ sorgen dieser perfekte Pop-Instinkt und Nancy Whangs Gesang für die vornehmlichen Qualitäten des Albums. Whangs Gesang bietet dabei nicht nur die Verankerung im DFA-Kontext, sondern gibt zudem den gelegentlich zu glatten Stücken ihren Reiz. „The Simple Life“ eröffnet das Album in epischer Länge mit pathos-beladenen Synthesizern und stellt klar, dass hier 30 Jahre Disko-, Tanz- und Popgeschichte angenehm bedient werden. „Happy House“ beendet das Album als zweifelsfreier Hit für alle Musikhörer zwischen Indie, Indietronics und House. In der Mitte aber steht „Tonight“ zehn Minuten lang voller Kuhglocken, synthetischer Bläser und Gefühl, und der Hörer stellt sich bei allem Gefallen die Frage, ob das Stück nicht auch kürzer hätte ausfallen können.

Dazwischen schieben sich Radio- und Viva-TV-taugliche Stücke wie das repetitive „The Future Will Come“, die Disko-Hymne „One Day“ oder „A New Bot“, dessen Instrumentierung gut als Beat an die elektrophilen Damen und Herren West, Spears oder Aguilera hätte verkauft werden können. Im perfektionistischen Arrangement eines populären (nicht nur) 1980er-Revivals mangelt es bei aller Qualität ein wenig an Distinktionsmerkmalen. Gleiches gilt mehr oder weniger auch für das grandiose, funkige „No Time“, das leicht träge „Accusations“, das hypnotische „The Station“ und „Human Disaster“ in all seiner gefährlichen wie zerbrechlichen Schönheit.

„The Future Will Come“ verkörpert trotz seines Titels mehr Vergangenheit denn Zukunft. The Juan MacLean schafft es darauf beeindruckend, einen Mittelwert zwischen alternativer „indietronischer“ Attraktivität und massentauglicher Allgemeinverständlichkeit zu erreichen. Ein solcher Mittelweg stellt an sich kein Qualitätsmerkmal dar, dennoch überzeugt das Ergebnis in seiner mitreißenden und gute Laune verbreitenden Einfachheit.

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