Louderbach – Autumn

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Ein Album als sprunghafte evolutionäre Weiterentwicklung eines Genres zu bezeichnen, zeugt – von Seiten des veröffentlichenden Labels – von gesundem Selbstbewusstsein oder Größenwahn. Im Fall von Richie Hawtins Label Minus, das sich in der subjektiven Wahrnehmung als Hort des wahren Minimal Techno sieht, und Louderbachs Album „Autumn“ handelt es sich um eine durchaus berechtigte Annahme, auch wenn – wiederum subjektiv – Troy Pierces Kooperation mit Sänger Gibby Miller im ersten Moment nicht unbedingt als Minimal Techno bezeichnet werden muss. Natürlich lassen die Stücke des Albums immer Troy Pierces Qualitäten als DJ des Minimalen erkennen, doch gewinnt „Autumn“ seinen Reiz erst durch Millers – vereinfacht formuliert – Rock-Hintergrund. Die düstere Atmosphäre gemahnt mal mehr an Post-Punk-Bands, ein anderes Mal dominiert tatsächlich der technoide Minimalismus mit geradem Beat.

Flächig schwirrend beginnt „Autumn“, um unvermittelt von einzelnen Worten unterbrochen zu werden. Ein kontinuierlicher Sog setzt ein, der direkt und unbemerkt in „Seems Like Static“ hinüberführt, das als Abbild des Albums in einem Stück gesehen werden mag. Zunächst ist es klangliche Landschaftsmalerei, die sich dann hin zu einem modernisierten, dunklen Wave-Pop-Wiedergänger entwickelt, bevor der gerade Techno-Beat die Überhand gewinnt, der Gesang seine zwischenzeitliche Dominanz abgibt und mehr ornamental wirkt. Ambiente Soundscapes, nahezu poppiges Post-Punk-Techno-Songwriting und klare Minimal-Tracks sind die drei Wesen des Albums.

Den Pop-Appeal verdeutlicht der technoide Minimal-Wave von „Notes“. Es zeigt sich als faszinierende Perfektion der Dunkelheit. Wie „Notes“ lässt sich auch „So This Is Control“ als Techno-Version der Klangwelten von LCD Soundsystem bezeichnen. Dagegen verbinden sich meditatives Basspochen und ambientes Rauschen auf „One Hundred Reasons“ zu einem Stück, das kaum als innovativ im Sinne einer großartigen evolutionären Weiterentwicklung bezeichnet werden kann. Gleiches gilt für die basslastige, atmosphärische, dichte Electronica von „Sunspots“. In „Nothing More Than A White Poison“ führen die klar akzentuierten Beats direkt auf die Tanzfläche. Ihr ausgefadetes Hallen, ihr Vibrieren und die Vocals sorgen in der ersten Hälfte für die Faszination des Tracks, bevor er im zweiten Teil in recht herkömmliche soulige, vokale Gefilde absinkt. Abschließenden Glanz verleiht „Shine“ dem Album mittels Troy Pierces akzentuiert melodischer Beat-Konstruktionen und Gibby Millers gefühlvoll dunklem Gesang.

Wenn Teile von „Autumn“ nicht unbedingt vollständig überzeugen und wenn auch der Gesamteindruck nicht zwangsweise zur Höchstwertung greifen lässt, so handelt es sich beim zweiten Louderbach-Album von Troy Pierce und Gibby Miller doch um eine lohnende, eine interessante Erweiterung der Konzepte des elektronischen Tanzmusik-(Minimal)Techno – hin zu den alternativ-poppigen Konzepten der 00er Jahre wie der 1980er Jahre. Louderbach fügen eine weitere organische Zutat hinzu, die vielleicht keinen Entwicklungssprung bewirkt, aber doch langfristig einen evolutionären Vorteil darstellen kann.

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