Junior Boys – Begone Dull Care

am

Jeremy Greenspan und Matt Didemus waren nicht die ersten im von 80er wie von House inspiriertem Pop(-Revival), aber ihr zweites Album „So This Is Goodbye“ im Jahr 2006 setzte dieses Konzept vielleicht am gelungensten um. Drei Jahre später steht diese Platte weiter ungebrochen in der Flut gleich oder zumindest ähnlich gearteter Werke. Ob es für die Junior Boys möglich ist, noch einmal so unbeschwert und unbeschränkt zu überzeugen?

Natürlich und vielleicht sogar glücklicherweise gelingt es Greenspan und Didemus nicht, ein „So This Is Goodbye Teil 2″ zu produzieren. Zwar stehen Didemus’ Vocals und Melodien nahezu ungebrochen in einer Linie zum Vorgänger, indessen geben sich die Produktionen und Instrumentierungen vielfach fokussierter, funkiger, energetisch aufgeladener – kurz, mehr „Disco“. Brüche und Sprünge in den Tracks werden von den Vocals aufgegriffen. Diese wieder erscheinen so weniger harmonisch, abgehackter im Fluss. Dies hindert den Vortrag jedoch nicht daran, weiter von Harmonie und Sanftheit dominiert zu werden. Das resultierende Spannungsverhältnis gestaltet die Songs unruhiger als beim Vorgänger. Der Hörer kann es sich meist nicht einfach bequem machen in „Begone Dull Care“: Zu disco-orientiert, treibend zieht das Album an uns vorbei, zu sehr dominiert der Beat. Dieser funktionale Charakter sorgt für einen weiteren Bruchpunkt zwischen Tracks und Vocals.

In der Mitte des Albums hebt sich „Bits And Pieces“ als perfekter Popsong und Hit ab, entflammt den Hörer. Verspielt und gleichzeitig doch instrumental reduziert wirkend, vertieft „Dull To Pause“ den Popcharakter. Der Track beschleunigt langsam und schwingt mit komprimiertem Kick in die Richtung des housigen Funks oder instrumental performten Pophouse, wie ihn nachfolgend „Hazel“ präsentiert. Der pure Pop hier in der Albummitte hält nicht lange vor. Zwar gibt sich „Sneak A Picture“ als funkig-klangmalerischer Pop, aber die vibrierenden Beats bringen Song und Hörer wieder aus dem Takt. Auch „The Animator“ erhebt sich zwar hymnisch cruisend und gelassen, doch eigentlich will es zur Bewegung anstiften. Diese Körperaktivität versucht der fast hektische Beat von „What It’s For“ aufrecht zu erhalten. Dem Beat entgegen steht selbstverständlich einmal mehr Didemus‘ Gesang und die episch aufstrebende Melodie.

„Begone Dull Care“ erscheint, als träfen zwei Interpretationen der gleichen Kompositionen aufeinander. Greenspan möchte tanzende Hörer sehen, die sich zwar nicht überanstrengen, aber körperlich aktiv sind und sich näher kommen. Didemus wiederum singt einfach sanfte Popnummern. Der Gegensatz erzeugt Spannung, verströmt aber zudem Unruhe und stört sogar fast das Wohlbefinden. Am Ende siegt die Schönheit, wogegen Greenspan – in dieser Interpretation – die Hoffnung auf die Remixe bleibt. Ist das nun gut? In all seiner dominierenden Unauffälligkeit ist „Begone Dull Care“ ein würdiger Nachfolger für „So This Is Goodbye“. Seine inszenatorische Unentschiedenheit schadet ihm aber unter Umständen ein wenig.

Advertisements