Jimi Tenor & Kabu Kabu – 4th Dimension

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Jimi Tenor, finnischer Electro-Guru, Komponist und (Dancefloor-)Jazzer kooperiert zum zweiten Mal mit den in Deutschland wohnenden Westafrikanern von Kabu Kabu, und zusammen schaffen sie auf „4th Dimension“ eine Afrobeat-Großtat, die selten zeitgemäß erscheint, aber dennoch immer begeistert. Tenor und Kabu Kabu verbinden die westafrikanische Rhythmik in der Tradition Fela Kutis mit Tenors jazzigen Soulideen und seiner Faszination für den Jazz eines Sun Ra.

Diese Vorlieben Tenors und die musikalischen Qualitäten aller Mitwirkenden bewahren „4th Dimension“ davor, eine aufgewärmte, langweilige Kopie des allseits wieder so beliebten Afrobeats zu werden. Vielmehr entwickeln die Musiker ein vielfältiges polyrhythmisches Menü zwischen Afrorock, -soul und -Spacejazz. Der rhythmische Groove steht somit im Zentrum der Platte – mit Ausnahme des experimentellen Flöten-Free-Jazz „Mega Roots“. Die europäische Perfektion der Herangehensweise mag nicht nach originalem Afrobeat klingen, gerade hierdurch gewinnen die Arrangements jedoch einen sofort zugänglichen Charakter, ohne seicht zu werden. Traditioneller Afrobeat, soulige Tracks, Synthesizer-Space-Funk und faszinierende Jazz-Nummern gehen harmonisch und gelungen ineinander über und setzen immer wieder überraschende Akzente.

Tenor beschränkt sich zumeist auf sein Saxophon, Flöten und Synthesizer. Drums und Percussions tragen Ekow Alabi Savage und Akinola Famson bei und etwaiger Gesang verteilt sich vielseitig. Sun-Ra-Anlehnungen und der Jazz überhaupt dominieren Nummern wie „Floating Orange“ oder „El Lahti“, während „Kolmikanta“ den Fokus ganz auf die Rhythmen, auf Drums und Percussions legt. In „Fast Legs“ jammen Percussion und Orgel im wilden Wechselspiel, und „Mogadishu Ave.“ lässt Tenors Sax und Kalle Kalima an der noisig lärmenden Gitarre psychedelisch aufeinandertreffen.

Manch einem mag Jimi Tenors Wendung hin zum Afrobeat übel aufstoßen, im Grunde handelt es sich aber nur um eine logische Fortsetzung seines bisherigen Schaffens. Zudem vermeidet es „4th Dimension“ erfolgreich, ein lauwarmer Aufguss des nur feurig-heiß genießbaren Genres Afrobeat zu werden. Vielmehr bringen Tenor und Kabu Kabu dieses Genre im Schmelzofen in Kontakt mit funky „Space“-Jazz und schmieden daraus in mythisch gottgleicher Mission einen Groove mit der Energie und Hitze eines jungen Sterns.

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