Bronnt Industries Kapital – Hard For Justice

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Gravenhurst. Diese Buchstabenfolge dürfte wohl am zügigsten Interesse am Bronnt-Industries-Kapital-Album „Hard For Justice“ wecken. Allerdings besteht der Zusammenhang zwischen Bronnt Industries Kapital und Nick Talbots Gravenhurst in kaum mehr als darin, dass Talbot an einigen Stücken auf „Hard For Justice“ mitschrieb. Die Kooperation zwischen ihm und Bronnt-Hauptakteur Guy Bartell jedoch reicht weit zurück und bestand nicht nur in Bartells Mitwirkung an Gravenhursts „The Western Lands“.

„Hard For Justice“ macht vordergründig Bartells Herkunft aus Bristol alle Ehre und gestaltet sich als zwischen Krautrock und TripHop, zwischen Disco-Synthesizern und verstörender Soundtrack-Elektronik changierende Platte. Mal wirken Stücke kopierend, mal etwas billig, gleichwohl besitzen sie immer eine gefallende Faszination. Das Kopierende stört nie, und Stirnrunzeln kommt nur auf, wenn in „Unbelievable Computer Of Love“ etwas arg offensichtlich The Notwist auf M83 treffen.

Als im Krautrock wurzelnder Experimental-Postrock-Pop mit weitschweifigem Instrumental-Arrangement gelingt „European Male“ als das Album überstrahlender Höhepunkt, der in kakophonischer Synthesizer-Ekstase endet. Während vorher und danach die Gestaltung der Stücke meist die Form eines Film-Soundtracks annimmt, funktioniert dieser Track nicht nur als Form eines Kopfkinos. In ähnlicher Weise entfaltet sich „Objects & Purpose“.

Zuvor führt „An Index Of Corporate Art“ voller harmloser melodischer Leichtigkeit in das Album hinein, um in der zweiten Hälfte stolpernd und hakend die Spannung eines B-Klasse-Schauerfilms erzeugen zu wollen. Der Beginn mag zu leicht erscheinen, gelingt jedoch. Das gilt für das Ende des Stücks nur bedingt. Pochend und die tragische Schwere einer Katastrophe vorherahnen lassend, versucht Bartell auch in „Knights Of Vipco“, soundtrackartige Klanggebilde zu erzeugen. Die sich anbahnende Tragödie wird nie aus den Augen gelassen, und gleichzeitig entwickeln die Synthesizer- und Orgellandschaften sich hin zu immer leichteren Gefilden, hin zu einer schicksalsergebenen Unbeschwertheit. Diesen Fatalismus trägt „Threnody For The Victims Of Lucio Fulci“ voller Ruhe weiter, und auch „Streets Of Fury“ scheint ihn zu forcieren. Die instrumentale Stärke und die Qualität des Albums verdeutlicht „S.T.R.Y.K.E.R.“, das in einer anachronistischen Sci-Fi-Diskothek durch den Weltraum blubbert und klackert, pocht und pumpt. Wie auch „Knights of Vipco“ erinnern die evozierten Bilder an Daft Punks Klanggestaltung zum Anime-Musical „Interstellar 5555“.

Bronnt Industries Kapital aka Guy Bartell gelingt mit „Hard For Justice“ ein in seinen Teilen vielleicht komplexes, aber als Ganzes doch eher einfach erscheinendes Album. Zwischen großen Momenten und kleinen, zu offensichtlichen Kopie-Versuchen überzeugt es, ohne übermäßig poliert zu sein. Die spröde Schönheit der präsentierten Soundtrack-Tracks deutet auf dem Cover bereits die mit Maschinengewehr-Charakteristiken versehene, schwarz-weiß gezeichnete Kamera an, die je nach Interpretation der Umgebung die Farbe entzieht oder Regenbogenfarben verströmt.

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