Montag – Montag

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Eine der wichtigsten Funktionen jedweder Form der Pop-Musik dürfte ihre euphorisierende Wirkung sein. Pop macht glücklich. Oder besser, guter Pop macht glücklich; und wenn Glück Unglück bedeutet, eben traurig. Insofern muss Montags drittes Album guter Pop sein, denn ganz sicher macht es – in weiten Teilen – glücklich, euphorisiert den Hörer.

Nicht nur deshalb, sondern mehr noch wegen der enthaltenen rauen, doch swingenden, sperrigen, und doch hymnisch rockenden Popnummern sollten Montag eigentlich auf dem festen Weg zum Erfolg sein; wenn denn, ja wenn, die üblichen Verdächtigen, die Kettcar- oder, ganz anders, die Annett-Louisan-Fans, die Anajo- und Virginia-Jetzt!-Hörer, sowie die Programmmacher im Radio Ohren haben, zu hören. Das gilt nicht zuletzt, weil das Thema des Albums das große Thema des Pop ist. Es geht um die Liebe, nicht immer gerade heraus, häufig innerlich beschwert, fast immer den Hörer greifend.

Montag feiern den Alltag der Liebe, die schwierigen Entscheidungen, das kurze Glück des Augenblicks, die scheinbare Vorbestimmtheit, die doch nur Ausdruck des deterministischen Chaos ist. Die offenbare Schönheit im Gelingen und die versteckte im Scheitern finden Ausdruck in ausufernden Arrangements, die den Bombast der Gefühle mittels Streichern in Musik umwandeln. Selten bricht sich die volle Tragik so ungehindert Bahn wie im düster-ruhigen und überlangen „Nachtfahrt“ oder im akustischen Rausch von „Morgens“. Auch das abschließende „Part 3“ betont den Verlust, und gibt sich ihm mit vollem Streichereinsatz hin. Solche Ruhe findet sich vornehmlich in diesem abschließenden Dreiklang. Dagegen verdeutlicht schon das erste Stück „Part 1“ die bombastische Perfektion der Arrangements voller Streicher und überschäumender Emotionen, die dieses Album auszeichnet. Danach rockt „Heute Ist Montag“ im eigentlich von Bernd Begemann bekannten Stil los, will aber dennoch nicht auf die Streicher verzichten. Euphorisch beschwingt widmet sich „Sommernacht“ dem ersten Moment des unwahrscheinlichen, sofort entflammenden Aufeinandertreffens, um im nächsten Moment von der reflektierenden Weisheit „Was Wir Sagen“ voll drohendem, elektronischem Pochen und Vibrieren geerdet zu werden.

Nach dem Hören des dritten Montag-Albums, dieser Ansammlung von Gefühl und Tragik, dieser Feier der Liebe und ihrer subtilen Lichter und Schatten, der hymnischen Schönheit des präsentierten Pop bleibt nur die Befürchtung, das Publikum könne Montag ignorieren, nur weil sie auf Deutsch singen. Es bleibt die Sorge, dieser monumentale Pop könnte nur sicher Stadien ausverkaufen, die Welt regieren und die Mächtigen der Welt zu Tränen rühren, wenn er auf Englisch wäre. Sollten diese Ängste zutreffen, ständen Montag in der langen Reihe der wunderbaren unbeachteten, grandiosen unerfolgreichen Pop-Alben aus Deutschland, wie sie jedes Jahr aufs Neue erscheinen. Jener Pop, der nicht Indie genug für die Coolen und nicht seicht genug für alle anderen ist, jene perfekte Musik, die im falschen Moment die richtigen Gefühle erregt.

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