Various – Tigerbass Vol. One

am

Die Techno-Rave- und Indie-Rave-Meute der Ed-Banger- und Kitsuné-Jünger erhält neues Futter. Das Tigerbeat6-Sublabel Tigerbass präsentiert mit seiner ersten Labelschau seinem Namen entsprechend eine Sammlung voller Bass, Bass und noch einmal Bass.

Kid606, C.L.A.W.S., Luke’s Anger, Dolby Anol, Com.A, White Williams und The Six Million Dollar Kid sind nur einige der vertretenen Label-Acts und Gäste. Allesamt verfolgen sie ein einziges Ziel: den Hörer zu erschöpfen, ihn auf der Tanzfläche zum letzten zu reizen, eine Synapsenüberlastung zu erzeugen. Die Compilation geht durchgängig und ausschließlich auf die hedonistische Zwölf. Neonfarben und Leuchtstäbe inklusive. Nachdenken ist keine Option, Pillen, Tröpfchen und ähnliches umso mehr. Entsprechend nervig erscheint „Tigerbeat6 Presents Tigerbass Volume 1“ gelegentlich, phasenweise, auf Dauer. Genauer: C.L.A.W.S „Canteloupe“, „Working Overtime“ von Luke‘s Anger und Kid606s „Roppongi Sunrise“ als erste drei Tracks der Veröffentlichung stellen ungefähr die tolerable Dosis qualitativ hochwertigen Bass’ dar. Dolby Anol mit „Heather I‘m Dry“ überschreitet als vierter Track die per Packungsbeilage empfohlene Dosis. Ab da macht sich eine gute Portion Langeweile breit.

Das beschreibt allerdings in keiner Weise die Qualität der restlichen Tracks, es bezieht sich allein auf die Quantität, die wirklich nur auf Droge – und seien es körpereigene Hormone – erträglich erscheint. Qualitativ spielen alle Künstler und Tracks mehr oder weniger in der gleichen mittleren Spitzenklasse. So sehr sich dabei ihre eingesetzten Mittel unterscheiden, so enden die Nummern doch meist in der gleichen wackeligen, „wonky“ Bass-Rave-Kulisse. Kleine Ausnahmen bilden das technoide „1992“ von Bruce Stallion / Black Rabbit, der aggressive Kid606-Remix von Luke’s Angers „Work That Mod“ oder der Glitchtechno „4 On The Floor 2012“ von Eats Tapes. Hinzu gesellt sich die poppige White-Williams-Grundlage „New Violence“ für einen weiteren Kid606-Remix. Mit Alex Pasternaks „Yela Boom“ schleichen sich dann sogar Baile-Funk-Anleihen ein.

Fazit? Das kann man hören, das kann man auch unbedarft kaufen. Probehören und Auswahl einzelner Tracks könnte wiewohl die bessere, weil gesündere Herangehensweise sein. Für die Justice-Digitalism-Mr-Oizo-Kiddies – äh, Fans – bieten sich insbesondere „Heil Mary“ von Dolby Anol, d.Damages „Jb Savage“ und Sickboys „Informulator“ an. Wem der Neo-Rave doch eher auf die Nerven fällt, der greife zu „1992“, „Bad People Get Laid“, „4 On The Floor 2012“ oder „New Violence“.

Advertisements