Dakota Suite – The End Of Trying

am

Klavier und Cello und Vogelgezwitscher, piano bis pianissimo. Die Tasten fließen ruhig, die Saiten gleiten auf majestätischen Schwingen. Einzelne energische Flügelschläge sichern die Bewegungsrichtung, manche Welle bricht rauschend am Ufer.

Naturbilder lassen sich leicht mit „The End Of Trying“, dem neuen Dakota-Suite-Album, assoziieren. Ebenso gut findet der Hörer in dem gleichtönigen und gebremst voranschreitenden Wechselspiel von Klavier und Cello aber Eindrücke und Ausdrücke des postmodernen Alltags im Achtstunden-Fünftage-Trott.

Chris Hooson und seine Dakota-Suite-Kollegen David Buxton sowie Colin Dunkley tragen zu gleichen Teilen das Klavierspiel bei. Dort hinein faltet sich, dessen Flächen durchbricht David Darlings Cello. So wenig wahrscheinlich die Kombination aus Dakota Suite und David Darling trotz der Nähe der Band zu Jazz-Rhythmik zunächst erscheint, so perfekte instrumentale Stücke ergeben sich aus der Zusammenarbeit, und so harmonisch ist doch das Interagieren der Meister der Ruhe aus Liverpool mit dem E-Musiker Darling, der mehr für seine Jazz-, Ambient-, Klassik- und Filmmusik-Arbeiten bekannt ist.

Frohgesonnen klingt „The End Of Trying“ nie, wiewohl gelegentlich eine stille Hoffnung die bedrückte Last der Stücke durchdringt. Der Vogelgesang in „A Quietly Gathering Tragedy“ gehört zu diesen Momenten, und die zart eingesprenkelten Dur-Momente in „Hands Swollen With Grace“ gewinnen dem Leiden etwas Positives ab. Auch sonst verliert der Hörer im Verlauf des Albums nicht jedes Zutrauen zum Leben. Vielmehr strömt „The End Of Trying“ die komfortable Wärme eines Schneesturms aus, der vom sicheren und eben warmen Fenster beobachtet wird.

Die sechzehn Stücke prägt ein gemeinsamer Grundcharakter oder sogar eine gewisse Ununterscheidbarkeit. So sehr das langweilen kann, so sehr schafft dies auch ein Wohlgefühl im Klingen der Musik. Das zentrale Stück des Albums ist dabei die viergeteilte Titelnummer. Spätestens, wenn zu Beginn von Teil drei das Cello sich langsam aus den Klavieranschlägen erhebt, geht das Herz auf. Den Reiz dieser klingenden Stille erzeugt auch der unaffektierte und arglose Charakter der Aufnahmen, der nicht nur das Vogelgezwitscher vor dem offenen Fenster zulässt, sondern den auch das Geräusch des Tretens der Klavierpedale nicht stört.

In dieser Ruhe überzeugen tatsächlich noch einmal die stilleren Momente besonders: das Ausklingen der Tastenanschläge, das Nachvibrieren der Saiten. Dann aber auch genauso die kleinen Ausbrüche: jene aufstrebenden Tonfolgen, die einzelnen, überraschenden Takte, die spontan Wellen von Gänsehäuten über den Körper jagen wie in „How Could You Let Me Go“, wie in „Things We Lost Along The Way“. Nach einer guten dreiviertel Stunde durchbricht dann „Z-Cars“ den Gleichklang. Rauschender, dröhnender, hallender als der Rest. Unklar bleibt, ob das Klavier hier durch den Computer geschickt oder einfach manuell klanglich manipuliert wurde, um so zu klingen wie eine Klanglandschaft zwischen M83, My Bloody Valentine oder aktuell The Sight Below. Klar ist: Dieses plötzliche Klangvolumen stört, es reißt einen aus der Atmosphäre des Vorhergehenden, aber das soll es wohl auch. Es soll uns in die Realität zurückholen.

Dakota Suite und David Darling gelingen sechzehn Stücke voller Tragik, indes ohne übertriebene Dramatik. Musik für die stillen Momente des Lebens ist zu hören. Inszenierungen des Alleinseins oder zumindest Alleinfühlens und für den Alleinseienden oder Alleinfühlenden.

Advertisements