Andrew Weatherall vs The Boardroom – Andrew Weatherall vs The Boardroom

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Der Verwaltungsrat befindet: „Die Firma muss ein wenig Geld verdienen. Der Aufwand in der Produktentwicklung muss jedoch gering sein.“ Negativ betrachtet, könnte dies die Maßgabe hinter Andrew Weatheralls (unter anderem Two Lone Swordsmen) neuester Veröffentlichung auf seinem Label Rotters Golf Club bilden. Auf „Andrew Weatherall vs. The Boardroom“ präsentiert er zusammen mit rund um den Boardroom – dem zu Rotters Golf Club gehörenden Studio – arbeitenden Musikern acht Stücke, die zwischen House, Techno, Electro und Post-Punk wildern.

Zunächst dürfen Rad Rice (aka Radical Majik aka Dubrider), James Moss (aka E.S.C.) und Sidney Le Sarge (aka Le Sarge En Board) je einen eigenen Track einbringen, bevor jede dieser Nummern einen Neuanstrich von Weatherall selbst und seinem Engineer Steve Boardman erhalten. Abschließend widmen sich E.S.C. und Dave Congreve (Tour-DJ der Two Lone Swordsmen) je einem Track von Andrew Weatheralls Hauptprojekt. Weatherall und sein Verwaltungsrat schaffen mit dieser Kollaboration sicherlich nichts weltbewegend Neues und je nach Stimmung des Hörers kann es insbesondere zu Beginn doch recht langatmig wirken, dennoch liefern sie grundsolide housig-technoide Hausmannskost ab, die durch packende Ausflüge Richtung Post-Punk und Indietronics eine zwar nicht sternewürdige, aber doch präsente Klasse gewinnt.

Radical Majik eröffnet das Album leicht träge mit einem repetitiven Rocktechnodub. „Träge“ heißt hier phasenweise tatsächlich eher langweilig, was gegen Ende von „Spread The Hot Potato“ durch einen leicht beschleunigten Beat kompensiert wird. Der ebenfalls vertretene Remix behält den dubbigen und den rockigen Anteil bei, schreitet ebenfalls eher gemächlich voran, entwickelt jedoch durch Weatheralls geschickte Nachbearbeitung eine deutlich höhere Spannung und einen drängenden Funkanteil. Der Remix wird so zu einem psychedelischen Dubtrip. Eine rockige Fassade oder eher ein post-punkiges Talkings-Heads-Gerüst fügt Weatherall auch seinem Remix von E.S.C.s „The Legacy“ hinzu. Dahinter entsteht ein treibender, dicht gestrickter B-Movie-Pop. Der prominent platzierte, sich unmerklich entwickelnde Technobeat des Originals wird dabei vollkommen zur Seite geschoben. „Thru The Robot Chicken Shed“ von Le Sarge En Board lädt subtil verspielt zum Rave ein. Der Beat extrem fokussiert, wird latentes Rauschen und experimentelles Knistern hinzugefügt, und der Track zielt direkt auf die Tanzfläche. Weatheralls Remix hiervon hält sich am ehesten an das Original, schält dazu aber insbesondere das Knistern und den Rave-Bezug stärker heraus.

Dave Congreves Remix des Two-Lone-Swordsmen-Tracks „Patient Saints“ ist eine techno-lastige Verneigung vor Indietronics-Strukturen New York’scher Prägung (!!!, LCD Soundsystem) und entwickelt so eine enorme Sogkraft. Dagegen ist E.S.C.s „Shack 54“-Remix ein effektiver, aber nicht unbedingt innovativer Tanzflächenfüller. „Effektiv“ ist auch die treffendste Umschreibung für das ganze Album. So ist „Andrew Weatherall vs. The Boardroom“ wohl tatsächlich in erster Linie ein schneller Schuss für das Label Rotters Golf Club. Allerdings funktioniert es eben gerade als solcher auch für den Hörer, ohne auf Dauer seinen Reiz zu verlieren.

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