Various – Roll Your Moneymaker. Early Black Rock’n’Roll 1948-1958

am

Anders als Kitty, Daisy & Lewis, die ihr Rock’n’Roll-Album im Spät-Sommer 2008 voller romantisierender 50er-Jahre-Ästhetik präsentierten, versucht der auf Trikont erscheinende Sampler „Roll Your Moneymaker“ ohne jede übertriebene Gestik einfach die dreckige, ursprüngliche Seite des R’n’R zu zeigen.

Den neuesten Remix, die coolsten Beats suchend, geht der Blick auf die Vergangenheit der Popmusik doch gelegentlich verloren. Abgesehen davon, dass auch Mr. Presley gerade mal wieder in die Mühlen der Beatmaschinerie gefallen ist, findet sich manch Interessantes im Blick zurück, im Blick auf das, was neben und vor Elvis war. Und: War nicht auch der Rock’n’Roll im Ursprung afroamerikanisch? Insofern heißt die Compilation im Untertitel auch „Early Black Rock’n Roll 1948-1958“.

Die von Jonathan Fischer für Trikont zusammengestellten und kommentierten 24 Songs legen dabei Wert darauf, das Genre zum einen von allen musikalischen Ursprüngen her zu zeigen und zum anderen die sexuell aufgeladene, durchaus angetrunkene Energie der Rhythmik zu betonen. Dafür versammeln sich Ike Turner, Etta James, Johnny ’Guitar’ Watson, Bo Diddley, Chuck Berry und viele andere mehr.

Musikalisch überwiegt in der Sammlung deutlich der (Südstaaten-)Blues mit rohen, rockenden Rhythmus-Erweiterungen. Darüber hinaus weisen unter anderem Rufus Thomas‘ „Tiger Man“, der den Bogen zu dessen späteren Soul-Songs schlägt, Andre Williams‘ Mambo-angehauchter „I’m Going Down To Tijuana“ oder Ruth Browns und Bill Davis’ Swing sowie Jesse Stones funkige avantgardistische „Crawfish“-Interpretation. Big Maybelle und Sister Rosetta Tharpe repräsentieren den Gospel-Einfluss, der auch bei Ike Turners „She Made My Blood Run Cold“ durchschlägt, während Bo Diddley mit einer Country-Nummer vertreten ist. Die Möglichkeiten der Gitarre loteten bereits früh Johnny Guitar Watson und Otis Rush aus. Eine Verbindung zu den britischen Rock’n’Roll-Wiedergängern des 21. Jahrhunderts Kitty Daisy & Lewis findet sich in Ann Coles „Got My Mojo Working“, das die drei Jungspunde aus London auf ihrem 2008er Album covern.

In manchen Momenten wirkt „Roll Your Moneymaker“ etwas unrund, etwas gezwungen, vielleicht belehrend. Es erscheint, als könne die Compilation ihren dokumentarischen Charakter nicht verleugnen. Insgesamt jedoch überwiegt die Unterhaltung, ist es eine rollende und rockende, eine swingend-bluesende, jazzig-countryeske, rhythmisch mitreißende Sammlung.

Werbeanzeigen