The Sight Below – Glider

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Die Wiederveröffentlichung der vier GAS-Alben auf Kompakt im Jahr 2008 sorgte für Begeisterung. Minimal, ambient, vielfältig geschichtete Klanggebilde mit einem treibenden Viervierteltakt. Eine Beschreibung, die ebenfalls auf The Sight Belows Debütalbum auf Ghostly International zutrifft.

Das Cover erinnert an ein Satelliten-Bild einer verschneiten Landschaft oder eine Aufnahme der atmosphärischen Zirkulation auf einem fernen Planeten. Die Musik folgt dem Albumtitel „Glider“, indem sie über eben dieser Landschaft, diesem Planeten gleitet.

Die gleichförmige Schönheit der neun Stücke zieht ihre Faszination aus zwei Ursprüngen. Zunächst liegt unter den meisten Stücken ein Beat im erwähnten monoton pumpenden Viervierteltakt, zudem entspringt die klangliche Spannung auf „Glider“ einer ambivalenten Unklarheit der Klangerzeugung. Nach außen hin erscheinen die dröhnenden Klangflächen, das Flimmern, die konvektive Entwicklung, die zarten organischen Atemhauche der Musik einer synthetischen Klangerzeugung zu entstammen, doch bereits im zweiten Song „Dour“ und am offensichtlichsten in „Further Away“ offenbart der Künstler, dass im Ursprung der dröhnenden, sich langsam ineinander verwebenden Flächen das Spiel einer Gitarre steht. Mittels Verlangsamung, Loops und Reverb erhebt sich aus ihm diese hypnotische, organische, psychedelische Erhabenheit.

Mit pochend perkussivem Technobeat, analogem Rauschen und den ambient bearbeiteten, jedoch klar erkennbaren Gitarrenklängen steht „Further Away“ im Mittelpunkt der schneebedeckten Welt von „Glider“. Es leitet den zweiten Teil dieser eisig kalten Schönheit ein, in dem die Gitarre klarer hervor scheint, in dem eine Verwandtschaft zu den dröhnend verzerrten Klangwänden von My Bloody Valentine oder auch den ruhigsten Momenten der Schotten von Mogwai deutlich wird. Immer jedoch bestimmt ein repetitives, ein Zeitskalen auflösendes Moment diese Musik zusammen mit dem nie vollkommen verschwindenden Beat. Letzterer mag für einige Takte aussetzen, wie im unendlichen, tiefen „A Fractured Smile“, bricht dann kaum später aber umso intensiver wieder hervor. Die ambienten, flächigen Klangkonstrukte suggerieren auf „Glider“ zumeist ein Element der Langsamkeit. In Verbindung mit dem pulsierenden Beat jedoch, der gelegentlich – insbesondere in „A Fractured Smile“ – den Hörer fast hektisch vor sich hertreibt, ergibt sich ein Gefühl des außerhalb der Zeit Seins, bzw. eine zeitliche Unschärfe. Wird dieser temporalen Undeutlichkeit die „thermische“ hinzugefügt, die zwischen dem warmen Beat und den eisig kalten winterlichen Klangflächen herrscht, erscheint „Glider“ als ein Album, das perfekt in Zeiten des Übergangs platziert ist, das sowohl die Dämmerung zwischen Tag und Nacht, wie den Wandel von Winter zu Sommer, von Sommer zu Winter in Musik fasst.

Die innere Bewegung des Albums erfolgt vom sanft housig pulsierenden „At First Touch“, das den Hörer an die Hand nimmt und in die Welt von A Sight Below einführt, hin zum abschließenden „Nowhere“, dem längsten Stück des Albums, das teilweise nahezu bombastisch das Konzept des Albums durchbricht, um dann zum Schluss in organischem, insektenhaftem Zirpen zu verklingen. Mit „Glider“ schafft der Künstler A Sight Below einen musikalischen Monolithen, der es schafft, die Gegensätzlichkeiten des post-modernen Lebens in Töne zu fassen.

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