The Owl Service – A Garland Of Song

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Ähnlich wie bei Rachel Unthank & The Winterset stehen im Zentrum des Projekts The Owl Service um Steve Collins und dessen Album „A Garland Of Song“ traditionelle britische Folk-Lieder. Collins versucht eine fast vierzigjährige Unterbrechung zu überbrücken und am englischen Folk-Revival und dem so genannten Acid Folk der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts anzuschließen. Zwischen immer neue und eigene Interpretationen und Arrangements der Traditionals mischen The Owl Service Collins’ Instrumental-Kompositionen.

Während The Owl Service sich bei den Folk-Songs doch vornehmlich auf eine Instrumentierung beschränken, die so auch auf dem Mittelaltermarkt oder einem Hippie-Treffen vorzufinden wäre, brechen die Instrumental-Stücke diese einerseits schön färbende, andererseits aber auch psychedelische und morbide Atmosphäre auf. So werden dröhnende E-Gitarren-Wände offensiver eingebunden („The Lammas“) oder der Einsatz der Sitar schafft mehr als nur eine drogenschwangere Kulisse („The Dorset Hanging Oak“).

Mit dem Wissen um die eigene – englische – Folktradition wie auch deren popmusikalische Entwicklung sowie Parallelentwicklungen führt das Projekt um Collins die englischen Volksweisen hinüber in dieses Jahrhundert. Hierbei erliegen die Musiker weder der Versuchung, das Alte konservieren zu wollen, noch streben sie eine zwanghafte Erneuerung an. Natürlich spielt das Anliegen einer Pflege der Tradition eine große Rolle, doch sind Collins‘ musikalische Interessen offenbar viel zu weit, um dort stehen zu bleiben. So gelingt eine spannende Synthese zwischen Erhalt und zarter Erneuerung, bzw. dem Einbinden neuer Elemente in den alten Klang.

Neben dieser Spannung aus Traditionals und Neuem, aus Folk-Instrumentierung und dröhnender Psychedelia, liegt der größte Reiz des Albums doch in der repräsentierten Folk-Ästhetik, des ätherischen, aber nicht nervtötenden weiblichen Gesangs, der Gänsehäute hervorruft und die Botschaft des Songs, sei sie noch so blutig, voller Schönheit transportiert. Diese Seite des Albums dominiert dann auch die langfristige Erinnerung. Seien es Stücke wie „Child Ballad No 49 (Or The Rolling Of The Stones)“, „Oxford City (Or The Jealous Lover)“ oder „Turpin Hero“, dieser – real oder „pseudo“ – althergebrachte Gesang prägt sie. Manchem mag dies kitschig erscheinen, doch auf Album- und Song-Dauer meiden „The Owl Service“ diesen Vorwurf erfolgreich durch die Wendungen und Kniffe in den Arrangements, durch die durchgängig dichte Atmosphäre des „A Garland Of Song“.

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