Amy Macdonald – This Is The Life

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Zu den Gewinnern des Jahres 2008 gehören eine Menge mehr oder weniger talentierter junger Künstlerinnen. Unter den talentierten erscheint zuerst Aimee Ann Duffy nennenswert und knapp dahinter folgt Amy MacDonald. Mit einem guten halben Jahr Verspätung gelangte ihr Debüt „This Is The Life“ auf den deutschen Markt, und es dauerte danach immer noch eine Weile, bis der Titeltrack die Charts eroberte und sich in den Ohren festsaugte. Von den einen als neue Katie Melua, von den anderene als neue KT Tunstall beschrieben, präsentiert Amy MD leicht zugängliche Ohrwürmer, die berühren, weder Radio- noch Indie-Publikum beleidigen und in einem ursprünglich britisch poppigen Folk wurzeln.

Letzteres rechtfertigt die Tunstall-Vergleiche, doch übertrifft MacDonalds Erfolg den Tunstalls zumindest hierzulande deutlich. Inspiriert von Travis, R.E.M., Gary Jules‘ „Mad World“-Cover, den Libertines und Besuchen bei T in the Park heißen ihre Lieder einen mit offenen Armen willkommen in einer polierten, Cranberries-esken Folk-Musik, wärmen einen, wie es das Eintreten in einen gemütlichen Pub mit Live-Musik an einem tristen Dezembertag tut. Pubpop, Pubfolk, Pubrock, Feierabendmusik zur Begleitung des Feierabendbiers findet sich auf „This Is The Life“. Einfach, harmlos und wider besseres Wissen begeisternd, mischt Amy MacDonald melancholische Naivität mit überraschender Altersweisheit.

Ihre Texte bieten genügend Spielraum, um 16- bis 60jährige sich darin wieder finden zu lassen, die Refrains brennen sich schnell genug ein, um sie für sich oder in der Masse mitzusingen. Perfekte Voraussetzungen für Erfolg. Musikalisch untermalt von einfachen, wieder erkennbaren und doch eigenen Melodien, umgesetzt durch Akustikgitarre und professionelle Produktion voller Streicher und (Mariachi-)Bläser („Let’s Start A Band“), braucht es nur noch eine charismatische, unverwechselbare Vortragsweise, um die westliche Welt zu erobern. Letztere besitzt Amy MacDonald ohne Zweifel. Kräftig und klar, den schottischen Akzent mühsam kaschierend, trällert und trillert sie an Dolores O’Riordan erinnernd auf eigene, rhythmisch punktierte Art und Weise.

„This Is The Life“ gewinnt durch und leidet unter seiner Einheitlichkeit. Einfach durchzuhören und durchgängig gefallend bleibt zu wenig dauerhaft hängen. Nahezu elf Ohrwürmer, aber kaum etwas, das genauer hinhören lässt. Allerdings ist das kaum ein Nachteil für ein Album, sieht man es als Pub-Ohrwurm-Versorgung. Gleich zu Beginn gewinnen – nach nervigstem allererstem Takt – die Radio-Hymnen „Mr. Rock & Roll“ und „This Is The Life“, denen sich im weiteren Verlaufs „Poison Prince“, „A Wish For Something More“ und „Barrowland Ballroom“ hinzugesellen, wogegen „Footballer’s Wife“ oder „L.A.“ die langweiligere Seite der Schönheit dieses Albums repräsentieren. „This Is The Life“ ist ein bombastisch produziertes, dennoch einfaches, rundum gutes Pop-Albums, das viel Potential offenbart, viele Entwicklungsmöglichkeiten offen lässt und die Frage aufwirft, warum nicht mehr „kleine“ „…“-Mädchen (siehe Abbildungen im Booklet“) so gelungene Musik spielen und schreiben können.

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