Kronos Quartet & Wu Man – Terry Riley’s The Cusp Of Magic

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Die Mitwirkung am Soundtrack zu „The Fountain“ (u. a. in Kooperation mit Mogwai) hat das Kronos Quartet endgültig in das Bewusstsein der popmusikalisch Interessierten befördert. Gespannt wurde also ihre Zusammenarbeit mit Wu Man zu Terry Rileys „The Cusp Of Magic“ erwartet.

In manchen Momenten ist das Album tatsächlich ein Scheitelpunkt der Magie – dem Wendekreis des Krebses gewidmet. Die vier Streicher und Wu Mans chinesische Laute (Pipa) stellen Hörer vor eine herausfordernde Aufgabe. Die lang andauernde Verbindung des Kronos Quartets mit Riley wird hier in sechs Movements und mit allerlei Spielereien mit Spielzeug (Quietscheentchen und ähnlichem mehr) gekrönt. Eine abfällige Formulierung, die angebracht ist, leidet die „nahtlose“ Zusammenführung klassischer chinesischer Saiten- und moderner westlicher Streichermusik in Form alt-indianischer Rituale doch gelegentlich unter diesen Marotten. Der repetitiven Magie des eröffnenden Titel-Movements tut dies allerdings keinen Abbruch. Pipa und westliche Streicher umspielen sich und werden von einer Bassdrum betont und geleitet. Die Rhythmik wechselt zwischen Weite und Enge und sorgt für eine hypnotische Wirkung.

„Buddha’s Bedroom“ und „The Nursery“ kreisen um Gute-Nacht-Lieder, wobei die Arrangements ihren Fokus verlieren. In „Buddha’s Bedroom“ stehen Wu Man und das Kronos Quartet doch arg getrennt nebeneinander. Die Inszenierung strengt an, der Hörer findet keinen Halt, sondern wird herumgestoßen zwischen Ost und West und möchte am liebsten anderweitig Beschäftigung suchen. „The Nursery“ unterlegt und umspielt Elisabeth Commandays chinesischen Gesang zunächst mit westlichen Streichern, bevor Westen und Osten sich abwechselnd hervor schieben und, eine scheinbar tiefe Traurigkeit verströmend, nach echtem Gefühl und Aktion sehnen lassen. Perkussion und Spielzeugeskapaden gegen Ende des Movements stehen losgelöst.

Dagegen fesseln die Improvisationen, Wiederholungen und Variationen des Grundthemas in „Royal Wedding“ zutiefst. Lebendig und Wohlklang mit Brechung verbindend lässt es Raum, sich zu verlieren. Ganz anders „Emily & Alice“, das einerseits sowohl das Quartett als auch Wu Man für Momente ganz groß auftrumpfen lässt, aber mit zu viel Kleinigkeiten und Zeichentrickserien-Titellied langweilt, ja gar nervt.

Der „Prayer Circle“ schließt den Kreis zum Titeltrack und gefällt ohne Einschränkung, wenn auch mache Entwicklung der Musik gezwungen wirkt. Auch dieser Abschluss kann nicht verhindern, dass „The Cusp Of Magic“ eine sehr, sehr zwiespältige Angelegenheit bleibt, die neben Zeit und Nerv vor allem einer Unmenge Wohlwollen bedarf, um es ins Herz zu schließen.

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