CLP – Supercontinental

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HipHop ist tot – bester Beweis ist 50 Cent. HipHop ist quicklebendig – beste Beweise sind The Cool Kids, Yo Majesty und Roots Manuva. Weniger für die intellektuellen Kopfnicker als für die schweißtriefenden Tänzer und Bootyshaker, für das Revival klassischer Block Partys finden sich auch in Berlin viele Lebenszeichen.

Eines davon nennt sich CLP oder Chris De Luca vs. Phon.O. Der eine früher bei Funkstörung, der andere bekannt für die Vermischung aus Techno und HipHop, legen sie zusammen auf Shitkatapult eines der mitreißendsten Alben des Jahres 2008 vor. Geheimnis des Albums ist neben den talentierten mitwirkenden Rappern die Fokussierung auf … den Bass. Meist sehr direkt und nur selten gebrochen (wie in „Club Thang“ featuring Mochipet und Hustle Heads) versetzen die kompromisslos komprimierten Basswellen den Körper in Schwingung, führen zu konstruktiver Interferenz und positiven Rückkopplungen, die in absoluter Ekstase enden. Insofern produzieren De Luca und Phon.O ein technisch hoch entwickeltes Ablum auf der Höhe der Zeit, indem sie aus einer Berliner – also nordwestlichen – Perspektive das in ihre Musik einbinden, was auch den Reiz der vielen Spielarten des Ghettotech ausmacht. Dieser gehört 2008 sicher zu den musikalischen Gewinnern und das nicht nur wegen der Manrecordings-Bühne auf dem Melt!-Festival.

Gemein mit Baile Funk und so weiter, wie auch mit dem bösen, knarzenden New Rave geht „Supercontinental“ allein auf die hedonistische Zwölf, verbindet dies jedoch mit einerseits unglaublicher Kreativität und Musikalität, beinhaltet andererseits einen solch unglaublichen Funk, dass zumindest dieser Hörer sich hemmungslos der Bass- und Rap-Lawine hingeben mag. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Neptunes-Beats lässt sich zwar streckenweise – z. B. in „Superconfidential“ oder „Insatiable“ – nicht abstreiten, doch darüber sei hinweggesehen.

Die Soundtüfteleien der beiden Musiker kommen dabei in keinem Track zu kurz, brechen sich jedoch am ehesten in den spielerischen Interludes und dem Outro Bahn und beeindrucken besonders in Verbindung mit Mochipets Glitch-Hop– der hier als „Club Thang“ zu findende Remix findet sich sehr ähnlich auch auf Mochipets „Microphonets Remixed“-EP – sowie im düster-utopischen Robotic Electro-Funk „Spaceballs“ (mit Spoek, Damaged Good$ und Cerebral Vortex).

Dass Bass und Samplewahnsinn hier regieren, stellt gleich zu Beginn „I’m So Trill“ (featuring Tunde Olaniran) klar. Hüpfend und zum Tanzen einladend, dennoch noch relativ zurückgenommen, führen uns Tundes Raps zwischen Maschinengewehr- und Nachrichtensprechergeschwindigkeit wechselnd in das Album ein. Eine Rücksicht, die bei seinem zweiten Auftritt in „Superconfidential“ kaum mehr gilt. Wenn dort der Bass sich zurückhält, dann nur um Tundes Können mehr Platz zum Begeistern zu geben. Einen Großteil des Albums dominiert tatsächlich allein dieser Bass, der wiederum allein darauf aus ist, den Hörer auf die Tanzfläche zu schieben. Das gilt für „Party Hard“ (mit Yo Majesty am Mikrofon) wie für „Rockin’ Wiz Us“ (featuring Zion I und Data MC) wie für „Insatiable“ (mit White Gold Princess). Während alle Rapper mehr als überzeugen, sind der New Yorker Kovas und Rayzaflo aus Mississippi doch die Entdeckungen des Albums. Während Kovas Raps so ziemlich jeden anderen aktuellen Rapper neidisch stimmen und seine Stakkato-Vocals perfekt mit den CLP-Sounds harmonieren („Dip Shorty“ und „Homecourt“), vertreibt die sechzehnjährige Rayzaflo nicht nur das Warten auf das nächste Lady-Sovereign-Album („Putcha Handz Up“ und „Flash Bakk“). Sie hypnotisiert zudem („Flash Bakk“) und hüpft durch unser Ohr wie ein … Floh („Putcha…“).

Ob das alles nun eher als Berlintech, Ghettotech oder Miami-Bass plus Crunk plus Old-School-Raps bezeichnet werden muss, spielt im Endeffekt keine Rolle. Denn dann sind Hörer und Tänzer eh zu erschöpft, um sich zu streiten.

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