SCSI-9 – Easy As Down

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Mitten in SCSI-9s neuem Album „Easy As Down“ – das an sich schon luftig und harmonisch produzierte warme, luxuriöse und deepe technoide Musik präsentiert – mitten drin in dieser genießerischen Ekstase des wohligen Gefühls also springen dem Hörer plötzlich bonbonfarbene klangliche Plastikbälle durchs Ohr. Willkommen in „Boys Away“, dem Track, dem leicht anzudichten wäre, er ließe die russische Herkunft der beiden SCSI-9er Anton Kubikov und Maxim Miljutenko besonders erkennen, der aber eigentlich doch nur ein Weiterdenken der hüpfenden Klangkonstrukte eines Matthew Herbert ist.

Nichtsdestotrotz scheint es, als schwinge auf „Easy As Down“ häufig unterschwellig der Hauch traditionell russischer Klangideen mit. Russische elektronische Musik hat die westlichen Gefilde noch nicht zur Gänze erreicht, doch ein Blick über entsprechende Netlabel offenbart eine ungemeine Vielfalt. Kubikov und Miljutenko bilden da seit Jahren die Vorhut, vielleicht sind sie sogar Vorreiter, sicherlich aber ist ihr durchaus klassischer Kompakt-Sound, der jedoch immer versucht, auch die eigenen Grenzen und die des Genres weiter zu ziehen, der erfolgreichste russische Technoexport.

„Easy As Down“ entwickelt sich in seiner ganzen Länge nicht zu einem elektronischen Überalbum, steht in seiner klanglichen Vielfalt, seiner Melodiösität und seiner Weite und Tiefe, seiner musikalischen 3D-Kulisse doch mehr als nur gut da. Als einziger Wermutstropfen darf gefragt werden, warum die Freunde des digitalen, des elektronischen Gewerbes, den Hals einfach nicht zu kriegen? Ja, eine CD kann knapp 80 Minuten Musik umfassen, doch die wenigsten Künstler schaffen es, diese Länge oder wie hier knapp 70 Minuten wirklich qualitativ gleich bleibend hochwertig und fesselnd zu füllen. Das Weniger, das mehr ist, darf auch hier gefordert werden. Selbst wenn im Grunde kein Track als Füllmaterial, als vollkommen unnötig benannt werden kann, setzt spätestens nach dem treibenden „The Rime“ mit dem sphärisch fließendem „Together“ Ermüdung ein. Dazu trägt bei, dass ein allein stehend progressiver, faszinierender Track wie „Outtro“, hier am Ende platziert, etwas zwischen einer Zumutung und mindestens anstrengend ist. Der versöhnliche Abschluss, das graziöse „Moses’ Tale“, führt dann wieder vor Augen, dass „Easy Is Down“ nicht als Club-Album, sondern als persönliche musikalische Begleitung wirkt.

Diesen begleitenden, diesen Kopfhörercharakter verdeutlicht bereits das eröffnende „Blue Wolf From North“. Einerseits treibt es hektisch eisig-flirrend voran, vor allem jedoch öffnet es Weiten, schafft es klangliche Räume. Gleiches gilt für „Vesna, Lastic & Elliott“, das dem ein oder anderen mit seinen Bläserklängen zu Easy Listening sein könnte, bei dem am Ende aber alles passt. Ein Fazit, das für das ganze Album gilt. Sphärisch tief und luftig leicht, nordisch polar und südlich mediterran verschränkt sich ohne große Mühen zu einem gelungenen Ganzen. „Tu Eres Mas“ und „Nothing Will Change It“ bedienen das vokal-orientierte träumerische Pop-Publikum, der Titeltrack und „Waterglide“ sorgen für die Ekstase, während „Boys Away“ und „The Rime“ mit dem Hörer spielen.

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