Eugene McGuinness – Eugene McGuinness

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Eugene McGuinness ist ein musikalisches Genie. Was das Mini-Album „The Early Learnings of …“ bereits andeutete – auch wenn die Zahl der bemerkenswerten Ideen die der langfristig hervorragenden Songs bei weitem übertraf –, bestätigt das reguläre, selbstbetitelte Debüt.

Allerdings geht die Songwriter-Begabung weiter im übermäßigen Ideenreichtum unter. Da kann der 22jährige noch so sehr betonen, er „möchte lieber für seine Unbeständigkeit bekannt werden, als für eine ewig gleiche Leier“. Wie ein Sturzbach ergießt sich „Eugene McGuinness“ aus den Lautsprechern, lässt staunen und den Mund offen stehen, am Ende ermüdet die Vielfalt, das dauernde Wechseln der Genres, die Unbeständigkeit im Herangehen, die Verwurstung von 100 Jahren britischer Musik in knapp vierzig Minuten.

In der Farbigkeit, der Kakophonie einer Spielearkade eines britischen Seebads, eines Jahrmarkts der Jahrzehnte, verlieren sich Einzelheiten des Songwritings, gehen Sprachwitze wie „Any Brick Can Build A Palace“ oder die vielfach zitierte „unflätige“ Zeile „We said farewell and we synchronized our watches / Arranged for the meeting of our crotches“ unter, alles verschliert, verschwimmt, wird undeutlich und breiig. Die Vergleiche mit Jahrmarkt – oder Seebrücke – und Spielhalle charakterisieren Eugene McGuinness’ Debüt treffend. Ein sehr britischer, verspielter Ansatz des Musizierens, die geschaffene Klangkulisse und die gewählte Instrumentierung rufen solche Bilder hervor. Dazu trägt nicht zuletzt ein roher, eher ungeschliffener, geringfügig wie Lo-Fi wirkender Sound bei.

Zwischen Cabaret- und Brit-Pop, zwischen den 30er Jahren und den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, zwischen romantischer Ballade und vorwärts stürzendem, über die eigenen Füße stolperndem Blödsinn, zwischen The Kinks und Pulp, The Pogues und Duke Special wieselt McGuinness durch sein vollgestopftes Absurditäten-Kabinett der Popmusik. Nach dem energischen Einstieg mit „Rings Around Rosa“ und „Fonz“ beeindrucken im Laufe des Albums vor allem die hoffnungslos nostalgischen und romantischen Balladen, die eigentlich keine solchen sind („Wendy Wonders“, „Those Old Black And White Movies Were True“, „Knock Down Ginger“), in denen McGuinness croont wie kein zweiter, sowie der Vierklang musikalischer Achterbahnfahrten: „Nightshift“, „Crown The Clown“, „Not So Academic“ und „Disneyfied“. Diese vier Tracks verdienen eigentlich eine eigene Genre-Bezeichnung, ein Label „McGuinnessmus“. Ohne jede Scham werden hier fantastische Ideen an kreative Einfälle gehängt, mit Mut und Intelligenz purzelt hier ein Looping aus einer Schraube, und … wenn es schlecht läuft, muss sich der Hörer am Ende tatsächlich übergeben.

Die Kreativität des Albums geht auf Dauer auf Kosten der Einprägsamkeit, die musikalische Phantasie des Künstlers macht das Album schwer verdaulich. Bezaubernd und eigen, modern und altmodisch, einzigartig und doch vertraut. Eugene McGuinness ist eine Hausnummer, die es sich zu merken lohnt, ein Künstler, der nicht nur eine weitere Rarität in einer Sammlung sein sollte, nicht nur das fünfblättrige Kleeblatt, der dreiflüglige Schmetterling, die schwarze Rose, die nur zu besonderen Anlässen spezielle Gäste beeindrucken soll.

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