Brett Anderson – Brett Anderson

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Mit seiner Band „Suede“ konnte Brett Anderson in den Jahren zwischen 1993 und 2003 fünf Top-Ten-Alben und 20 Hitsingles in den britischen Charts platzieren. Nach der Auflösung der „Best Band In Britain“ (Melody Maker) tat er sich im Jahr 2004 wieder mit seinem Ex-Gitarristen und Songwriterkollegen aus alten Suede-Tagen, Bernad Butler, unter dem Namen „The Tears“ zusammen. Aber die Platte „Here Comes The Tears“ wurde – entgegen des allgemeinen „The“-Hypes – lediglich von den Kritikern gefeiert. Zu der Zeit begann Anderson seine umtriebige Suche nach einem neuen festen musikalischen Standort, die schließlich darin endete, dass er anfing, sehr ambitioniert für ein Soloprojekt zu schreiben.

Das Ergebnis seiner Arbeit ist nun erschienen, und ich gebe zu, man muss Britpop mit Smiths-Wurzeln lieben, man muss Andersons Stimme vermisst haben, um sich über die Platte richtig freuen zu können. Es sind keine musikalischen Neuerfindungen, keine Stilwechsel oder ein besonderer Facettenreichtum auszumachen. Aber: Wollen wir das überhaupt – von einem, der jahrelang schön und schön traurig war – und dies in wunderbare Songs verpacken konnte?

Hören wir doch einmal rein… Schon mit dem Opener wird sogleich klar: Hier geht es auch weiterhin nicht um Gute-Laune-Pop und hymnische Lebenszelebrierung. Hier ist jemand verzweifelt und stellt fest: „Love Is Dead“. Schwere Streichereinlagen, gewichtige Textbeigaben und dieses ganz spezielle in seiner Stimme ziehen sogleich in die tieftraurige Welt des aber scheinbar unverbitterten Brett Anderson.

In selber Couleur geht es weiter. Suche nach Liebe, Jesus, Umgang mit sich selbst, Sex und dem Leben. Und Anderson selbst lässt verlautbaren, dass diese Platte die beste und wichtigste seines bisherigen Schaffens sei – was wir zunächst unkommentiert so stehen lassen. Interessant und richtungsweisend ist aber, dass Anderson selbst meint, dass er sich mit seinen Soloarbeiten selbst darstellt, nichts mehr vorschieben kann, hinter dem er sich verstecken könnte. Richtig! Keine fremden Charaktere oder zu füllende Schablonen mehr – es geht nur noch um ihn. Sein Leben, seine Gefühle, sein Konsumverhalten, sein Leben in Abgeschiedenheit und seinen Hang zur Einsamkeit und schließlich den Tod des Vaters.

Mit Fred Ball (Ed Harcourt, KT Tunstall) hat er nicht nur einen jungen Co-Produzenten gefunden, sondern auch einen Songwriterkollegen, mit dem er seinen Sound weiterhin unverkennbar aber doch fern jeglichen Bombasts hält. Keine Überladung also, aber gesteigerte Dramatik. Diese fördert Anderson allein durch seine Stimme, dieses mitunter gebrochene, verzweifelte im Klang – und mittels gut eingesetzter eigener Backingvocals.

Wer also grundsätzlich einen Hang zu schwermütiger, dramatischer und doch nicht zu belastender Musik aus Britannien hat, sollte sich auf diese Platte einlassen. Sicherlich ist sie schön – aber sicher nicht – wie er meint – sein bisher bestes Werk. Da er selbst schon den Blick in die Ferne auf seine nächste Platte richtet, dabei Veränderungen im Stil und Sound nicht ausschließt, ist dieser Satz dann vielleicht in der Rezension zur nächsten Platte zu lesen.

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