Squarepusher – Just A Souvenir

I had a dream. Aha, Tom Jenkinson hatte also einen Tagtraum, … oder hat er doch nur zu viele Drogen geschluckt oder zu viel Jasper Fforde gelesen?

In 197 im Studio eingesperrten Tagen vertonte er dann diese außerweltliche Erfahrung, die Erinnerung an ein Rockkonzert, an Musik, die Zeit modifiziert, die durch Veränderungen der Zeit selbst nach schimmernden Monolithen und langsamen emotionalen Wellenfronten oder implodierten Nadelkissen klingt.

Stop. Das reicht. Jenkinson aka Squarepusher produziert hier – egal ob nun auf Tagtraum basierend oder irgendwie anders (Daft Punk, Anime, Comic) inspiriert – ein Album, das interessant beginnt („Star Time 2“, „The Coathanger“, „Open Society“), kurzzeitig grandios, faszinierend, spektakulär erscheint („A Real Woman“) und dann in gniedelnden, blödsinnigen, langweiligen Schwachsinn abstürzt. Billig und uninspiriert.

OK, das mag zu hart sein, doch „Delta-V“ und nicht nur dem fehlt das gewisse Etwas. Das Rockkonzert-Gewichse in diesem Track ist wie das Avantgarde-Gefrickel in „Aqueduct“ gezwungen, berührt nicht, und das setzt sich im weiteren Verlauf des Albums „Just A Souvenir“ fort. Was der „zeitgenössische Komponist“ Squarepusher hier weitgehend verzapft, ist weniger „Warp Works And Twentieth Century Masters“ denn „Musikschule auf dem Lande“-Niveau.

Natürlich finden sich – wie z. B. in „Planet Gear“ – immer wieder Takte, Phasen, Sekunden, die aufhorchen lassen, die Jenkinsons Talent, seine Genialität belegen. Doch im Mittel? Oh crap what a crap. Das Musikschulbild aufgreifend: Wenn der frustrierte Absolvent eines Musikstudiums seinen weniger talentierten Schülern aufträgt, ihre Gitarren und Keyboards, ihr Schlagzeug und ihren Bass improvisierend zu erkunden, entsteht in groben Zügen das, was wir hier in „Tensor In Green“ oder „The Glass Road“ hören. Die synästhetische Erfahrung des Tagtraums, des transkulturellen, transdimensionalen und transzendentalen Rockkonzerts wird zwar gelegentlich tatsächlich erfahrbar, aber das Fazit bleibt: „Man, ist das langweilig.“

Vielleicht werden Jenkinsons Fans Yorke, Patton, Collins und Eno bei „Just A Souvenir“ begeistert aus ihren Sesseln aufspringen oder sich fasziniert in ihren Kopfhörern verlieren, aber im hier schreibenden Etwas kommt nichts an. Gar nichts. Oder, eine andere These zum Album anwendend: Ich, der ich noch nicht jenseits von Dub, Freejazz, Techno, Alter Musik, Prog, Punk und Metal im Nirvana angekommen bin, möchte nach Konsum dieser Platte keinen konventionslosen Tee mit anderen Nerd-Metal-Jazz-Weirdo-Astralleibern trinken. Unverständlich? „Just A Souvenir“ auch.

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