Mr Oizo – Lambs Anger

Wenn Erwartungen erfüllt werden, ist das etwas sehr Positives; solange die Erwartungen hoch waren. Sollten sie jedoch niedrig gewesen sein, stellt sich schnell die Frage nach einer voreingenommenen Position gegenüber dem Künstler oder seinem Album. Wobei, das potentiell schlechte Gewissen wird beruhigt durch die Tatsache, es handelt sich bei „Lambs Anger“ kaum um ein Album, sondern mehr um eine lose Sammlung von Soundschnipseln.

Zwar enthält die CD durchaus Tracks, die das Potential zum (Szene-, Club-) Hit haben – anders wäre es bei Künstler (Mr Oizo) und Label (Ed Banger) kaum zu erwarten – doch überwiegen die Füller und Intermezzi. Gründe für dieses Versagen des Werks finden sich viele, werden die Fakten über Quentin Dupieux betrachtet, die uns an die Hand gegeben werden: Animalisch, Flat Eric, beknackt, Flat Beat, ungeduldig, Musik muss unintelligent und darf ja nicht kopflastig sein. Dreck ist, was mehr als drei Stunden zur Produktion braucht. Experimentell, Freund von Sébastian Tellier, lustig, stressig, normal ist Scheiße, Uffies Produzent.

Von dieser losen Ansammlung sind folgende Begriffe wichtig für das Verständnis von „Lambs Anger“, Oizos neuem Machwerk: Ungeduldig, animalisch, experimentell, Uffie. Das heißt, selbst wenn vieles hier viel verspricht, vor Kreativität übersprudelt, voll auf die drogen- und alkoholkonservierte Zwölf geht, manchmal braucht es doch Zeit, um etwas Gutes zu schaffen. In 45 Minuten packt Dupieux aka Oizo 17 Tracks, wovon ein Drittel reine Füller sind und ein gutes Sechstel aus funkigen Diskominiaturen besteht, die zwar nett, aber kaum relevant erscheinen. Und der Rest? Unfokussiert, nervig, fahrig, … aber nicht nur.

„Blind Concerto“ und Gay Dentists“ versprechen sehr viel und halten sehr wenig. „Gay Dentists“ tritt als wahres Bassmonster auf, beinhaltet aber wie „Pourriture Z“ ein klein wenig zu viel 90er Eurodance Trash (Snap!, Technotronic). „Steroids“ – mit Uffie im Schlepptau – versucht sich an einer Mischung aus Peaches und Ghettotech …, was misslingt, aber im Club als Knaller kommen könnte. Den neuen Signatursound – im Gegensatz zum Flat Beat als ehemaligem – liefert Oizo in „Z“, der voller guter Ideen, doch eher ohne klare Linie nicht wirklich zündet. Auch „Bruce Willis Is Dead“ funktioniert als Electrorocker, wirkt aber auf seine gesamte Länge ein klein wenig nervend.

Wirklich zu 100 Prozent gelungen ist allein „Erreur Jean“. Kurz und auf den Punkt produziert, wirkt es sofort und sorgt für glänzende Augen. Der Rest jedoch? Oder „Lambs Anger“ als Ganzes?

Oizo liefert kaum mehr als einen Haufen Ideen, die dem Hörer nur als Indiz dafür dienen, was er beim nächsten Oizo-Set zu erwarten hat und an welchen Stellen er dann auszurasten hat. „Lambs Anger“ oder „Eating Lamb“? Definitiv „Eating Lamb“.

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