Disco Doom – Dream Electric

Disco Doom, Crystal Castles, Justice. Klingt gut, klingt passend, oder? Ja, ne? Disco Doom, Motorpsycho, Dinosaur Jr, hm, irgendwas sträubt sich. Aber dennoch ist letzteres die richtige Zusammenstellung. „Dream Electric“ ließe sich ohne Probleme als verschollene Dinosaur-Jr-Platte ausgeben. OK, der Gesang ist unterschiedlich, aber sonst …

Die Freunde des gepflegten Old-School-Gitarrenalternative können hier ohne Probehören zugreifen. Scheint im eröffnenden „Raise The Dead“ noch Radioheads Creep durch – aber auch das zitierte in erster Linie die gemeinsamen Vorbilder – beweisen Anita Rufer, Daniel Nievergelt und Gabriele De Mario über den Rest der vierzig Minuten: Built To Spill konnten sich für ihre aktuelle Tour keinen besseren Support aussuchen.

Sehr viel fokussierter als ihre Schweizer Landsleute von The Bianca Story zu Beginn des Jahres und den eigenen Soundentwurf klar vor Augen, betören Disco Doom mit der perfekten Umsetzung dessen, was eben Dinosaur Jr, Sonic Youth, Built To Spill und Motorpsycho auszeichnet: verlärmte Gitarren und scheinbarer Missklang in Verbindung mit einer stringenten Melodieführung ergeben monolithische Rockmusik, die niederschlägt und den Knock Out auf weichen Popfedern auffängt.

Vorwurfsvoll schauend laufen Songs wie „Endless Summer“ und „Laser Storm“ zu nah parallel der Vorbilder, doch das stört nicht, so perfekt und gefällig das präsentiert wird. Das schlichte Cover listet eine Vielzahl von Farbschattierungen. Die Wärme, die Intensität der Musik erweckt diese zu klingenden Tönen. Anders formuliert: den Eindruck dieser Auflistung beim Hören mittragend, erscheint „Dream Electric“, als male die Band ihre Songs. Weiche Striche, harte Striche, klare Konturen, tiefe Schatten, düster, bunt, schreiend, sanft.

Die Schönheit des Präsentierten und seine Energie täuschen jedoch nicht hinweg darüber, wie altmodisch das Ganze ist. Ebenfalls überdeckt beides nicht die Tatsache, dass manch einem Song (z. B. „White Gun Cold Jet“) der Punch fehlt, es an der nötigen Spannung mangelt, die Aufmerksamkeit dauerhaft zu fesseln. Andererseits vermag „Cpt. Petal & Mr Scar“ – das aufgrund seines Schlagzeugeinsatzes fast Maxïmo Park ähnelt – über vier Minuten eben gerade eine dauernde Spannung aufrecht zu erhalten, so dass wir fiebrig zitternd in das folgende „Monsters“ – das Vergleiche zu Beck und den Flaming Lips heraufbeschwört – fallen, und es wie eine überdrehte Geisterbahn wahrnehmen.

Danach folgt der Rest wieder dissonant, lärmend rockend und hymnisch. Quod Erat Demonstrandum. Hier lässt sich ohne Probehören zugreifen.

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