Blevin Blectum – Gular Flutter

Stellen wir uns vor, jemand habe noch nie von Blevin Blectum gehört … dann interessieren ihn wahrscheinlich auch jetzt keine Einzelheiten über gewonnene Preise, erworbene Titel und ihre Ausbildung zur Tierarztassistentin. Konzentrieren wir uns also, nachdem erwähnt sei, dass sie eigentlich Bevin Kelley heißt, und ihr Bruder Kelley Polar ist, auf die Musik.

Das Album „Gular Flutter“ wird düster blubbernd und hektisch flirrend eröffnet von „Real Live Escargot“. Paranoia auslösend und hypnotisch zieht es über fünf Minuten seine Bahnen und bereitet den Weg. Im folgenden „Cygnet“ ziehen sich Schichten über Schichten orientalisch anmutender Klangkonstrukte über einen gedämpften Beat, einen Jungle-Rhythmus. Eine musikalische Schlangengrube, vor der sich Indiana Jones fürchten würde, die den unerschrockenen Hörer jedoch in ungeahnte Sphären entführt. Wie hier manövriert die Künstlerin auch im folgenden – an aufgeschnittene Froschkörper erinnernden – „Foyer Fire“ ihre pulsierenden Synthesizer-Muster haarscharf an der Tanzbarkeit vorbei.

Ob „Mine“ als Musik durchgeht, oder doch eher nur die Geräusche einer schnell vorlaufenden Kassette einfängt, sei dahingestellt. In „Mine“ und „Flowers Fade Fast“ stehen harmlose Jahrmarkts- oder Kinderlied-Klänge in einem der Brennpunkte dieser musikalischen Ellipse. Der andere des Monsters namens „Flowers Fade Fast“ heißt Horror. Der Horror der Unauffälligkeit, die Angst vor dem Schatten. Wieder mehr akustische Hörspieluntermalung als Musik produzierend, fügt Blevin Blectum in bester Warp-Manier Bleeps und Clonks aneinander, doch dient dies nicht der Schaffung eines tanzbaren Glitch-Tracks, sondern allein der Produktion einer angsteinflößenden Klangkulisse, durch die nur gelegentlich kleinste Elemente eines Beats aufblitzen und in Versuchung führen, auf dem Highway des Todes zu tanzen. „Empty Bottle Star“ präsentiert sich wieder im schnellen Suchlauf. Unter einem monotonen hektischen Beat verteilen sich Radiopop-, Eurodance- und Kirmes-Sample-Fetzen. „Squeezed“ kommt dann eher wieder als musikalischer Albumtrack daher, und „Tightly“ nähert sich diesem Konzept noch mehr an, ohne jedoch die Technik der Sample- und Synthie-Schichtung abzulegen. „Retrice“ besteht fast ausschließlich aus einem zarten Beat, um den sich Geisterstimmen winden.

In Gänze gesehen, unzerrissen betrachtet, gehört als Begleitung durch den Wahnsinn der mittleren Großstadt, bildet „Gular Flutter“ eine faszinierende, eine tatsächlich wohltuende Untermalung des Seins. In seine Teile zerlegt ist es Chaos, unhörbar, Idiotie und Tollkühnheit.

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