Kraftwerk vs. 3p – und was sagt eigentlich Johannes Kreidler?

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Eine kleine Geschichtsstunde basierend auf den Informationden der Musikwoche: Es begab sich im Jahre 1997, das die beiden Nasen Moses Pelham und Martin Haas von 3p – meine Sympathien sind im Ursprung klar verteilt – ein keine drei Sekunden langes Amples aus „Metall auf Metall“ der unglaublichen Kraftwerk aus dem Jahre 1977 verwendeten. Es diente dem Titel „Nur Mir“ von Sabrina Setlur. Seit dem gibt es Streit zwischen den Pfeifen von 3p (nicht übel nehmen) und den fantastischen Kraftwerk. Streit um dieses Sample. Kraftwerk meinen, das Sample sei unzulässig, und hatten „auf Unterlassung, Feststellung ihrer Schadensersatzpflicht, Auskunftserteilung und Herausgabe der Tonträger zum Zwecke der Vernichtung geklagt“ (so die Musikwoche). 3p waren der Überzeugung: „dass die Entnahme kleinster Schnipsel als moderne Kunstform, ohne die aktuelle Musik quasi schon gar nicht mehr denkbar ist, zulässig sein muss“ (so das Zitat auf Musikwoche.de). Damit haben 3p vollkommen recht. Aber um Kraftwerk in Schutz zu nehmen: die Zulässigkeit hängt immer vom Ergebnis ab, oder so…

Egal wie, das ganze landete vorm Bundesgerichtshof und das meinte, „dass bereits derjenige in die Rechte des Tonträgerherstellers eingreift, der einem fremden Tonträger kleinste Tonfetzen entnimmt“ (Zitat: Musikwoche.de). Dennoch hob er ein vorinstanzliches Urteil auf und meinte das Berufungsgericht solle überprüfen, ob 3p sich auf das „Recht zur freien Benutzung“ beziehen könnten.

Dabei kommen wir zur viel interessanteren Frage, nämlich was mit Johannes Kreidlers Aktion „product placements (2008)“ ist. In dieser Aktion brachte er in 33 Sekunden eines Musikstücks 70200 Fremdzitate unter und wollte danach bei der GEMA 70200 Einzelnachweise anmelden. Interessanterweise nahm die GEMA diese gar nicht erst an, weil

Eine urheberrechtlich relevante Nutzung liegt nur dann vor, wenn diese fremden Werke dem neu geschaffenen Werk erkennbar zugrunde gelegt werden. Dies ist bei einzelnen Tönen und „Sound-Schnipseln“ – so wie sie Herr Kreidler für sein Werk product placement überwiegend verwendet – wohl eher nicht der Fall. (Hervorhebung von meteo)

Vielleicht sollte Johannes Kreidler sich einfach selber verklagen, vielleicht würde er dann die Diskussion anstoßen, die er ja eigentlich beabsichtigte

Vorgeschobene Zöglinge der Musikindustrie forderten die Kanzlerin in einem offenen Brief, der am 24. April 2008 in den großen deutschen Tageszeitungen erschien, dazu auf, ihre Rechte (= die Interessen der Musikindustrie) zur „Chefsache“ zu erklären und ihr geistiges Eigentum gegen die Internet-Piraterie zu verteidigen. Die Unterzeichnenden, zu denen neben Klaus & Klaus, DJ Ötzi und Scooter auch Aribert Reimann und Wolfgang Rihm zählen, bekräftigten sich mit dem Slogan „Geistiges Eigentum ist das Öl des 21. Jahrhunderts“. Wo kämen wir da hin, wenn künftig alle Öl frei verfügbar hätten? Wenn die Gedanken frei wären? Mögen Kunstwerke zu dieser Diskussion Öl ins Feuer gießen.

Zum erwähnten Brief siehe hier vor Ort.

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