Wild Beasts – Limbo, Panto

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Im wilden Auf und Ab an immer neuen, tollen britischen und amerikanischen Bands lässt sich nicht immer ganz nachvollziehen, warum diese eine den Plattenvertrag beim Major bekommen hat oder wieso gerade diese andere – der ein solcher Vertrag eben fehlt – den ganz großen Durchbruch beim kaufenden, konzertierenden oder zumindest hörenden Publikum schafft. Da wirkt die Aussage im Inneren der Promokopie des Wild Beasts-Albums „Limbo, Panto“, die Musik der Wild Beasts solle nur Musik sein, Erfolg sowie Schubladenzugehörigkeit seien vollkommen egal, fast wie eine voreilige Entschuldigung für den Fall, das Publikum verweigerte sich dem Wild Beasts’schen Pop.

Labelkollegen von Franz Ferdinand seiend – deren neues Album doch etwas länger auf sich warten lässt, als der gemeine Fan es gut findet – springen einem die vier wilden Biester ebenfalls aus dem dicht besiedelten Becken des Post-Punk entgegen. Das vornehmliche Distinktionsmerkmal der Band bildet Hayden Thorpes Falsett-Gesang, der – egal ob nun natürlich oder gekünstelt – sich ins Ohr drängt, den Eindruck dominiert, nervt und fasziniert. Tonlage und Gesangsstil halten sich meist in diesen hohen Höhen und wenn sie doch einmal herabsteigen, dann um entweder angriffslustig zu knarzen oder aber sich der Dramaturgie eines Edwyn Collins, eines Paul Heaton oder eines Steven Patrick Morrissey anzunähern. Der Gesang im Mittelpunkt zieht die Aufmerksamkeit auf sich, um Thorpes Stimme herum jedoch zimmern die Wild Beasts einen rhythmisch betonten, tanz-orientierten, wirr flickernden Wavepop zwischen Franz F., Bloc P., Maxïmo P. und Interpol.

Kritisch betrachtet ließe sich so den Herren Little, Fleming, Talbot und Thorpe vorwerfen, der Gesang des letzteren sei nur so exaltiert, um von der Mittelmäßigkeit der ihn umspannenden Musik abzulenken. Eine Aussage, die halb wahr ist. Denn eins tut Thorpe in seiner mal gut gelaunten, mal grimmigen Überspanntheit: er lenkt ab. Doch nicht von Mittelmäßigkeit. Vielmehr von zutiefst überzeugenden Arrangements, von sowohl den Postpunk wie britischen Schlager zitierenden Songs. Er übertönt die Anwesenheit einer Band, die von „Vigil For A Fuddy Duddy“ bis „Cheerio Chaps, Cheerio Goodbye“ alle Freiheiten ausnutzt, die ein solch prägnanter Frontmann erlaubt. Kleinste Elemente, kleinste Schwenke der beteiligten Gitarren, des Schlagzeugs und des Basses brechen sich aber doch immer Bahn durch das Gesamtwerk und lassen aufhorchen und staunen. Ob das allein auf Produzent Tore Johansson zurückzuführen ist, bleibt eine offene Frage. Ebenso wie die Ratlosigkeit unbeantwortet bleibt, wie aus diesen queeren wie genialen zehn Songs ein einzelner so hitverdächtig herausstechen darf wie „The Devil’s Crayon“.

Anstrengend ist sicherlich die häufigste Reaktion auf das erste Hören, die „Limbo, Panto“ bei den potentiellen Kunden auslöst. Doch es wird nicht lange dauern, bis die Wild Beasts diese mit Haut und Haaren verspeist haben.

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