The Cool Kids – The Bake Sale

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Amerikanischer HipHop existiert ganz offenbar in zwei Aggregatzuständen. Mainstream und Indie stehen sich gegenüber und vereinigen sich nur unter Umgehung der üblichen Gesetze der Physik. Natürlich gibt es dennoch den ein oder anderen Künstler, der an beiden Seiten Gefallen findet, der nicht gehasst wird, obwohl er über eine Million Platten verkauft – Kanye West ist definitiv ein Beispiel und viele zählen auch Lil Wayne in dieses Lager.

Die Cool Kids aus Chicago positionieren sich ganz offen in der Mitte zwischen Indie und Sellout, eine Zuordnung, wo ihr Ursprung denn bitte sei, ist aus der Musik kaum möglich. Zu offenbar zitieren sie Old und New School, stehen für neueste Entwicklungen des Genres HipHop an sich und verzichten doch auf zu ausgelaugte Klangkonstrukte, auf den ganz großen Massenappeal. Größte Fragenzeichen entstehen nur an den Stellen, wenn Beats, Klangkonstrukte und Effekte (zu) vertraut klingen. Die Hälfte der elf Tracks auf „The Bake Sale“ gibt Anlass zu fragen, ob die Cool Kids diese Ideenorte zuerst besucht haben und die – hier nicht genannt werden wollenden – größeren Namen sich auf ihren aktuellen 2008er Alben von den Hipster-Rappern Chuck Inglish und Mikey Rock inspirieren ließen, … oder halt doch eher anders herum.

„The Bake Sale“ überrascht, unterhält und ist zu schnell zu Ende. Bei Dauerbeschallung fällt dennoch auf, dass die gute halbe Stunde Musik in all ihren kreativen Höhenflügen doch ein gewisses Maß an Gleichklang trägt. Nicht unmöglich ist allerdings, dass im Jahrhundert des Bass der HipHop an sich ein genre-immanentes Problem der Langeweile hat, und nicht die beiden Cool Kids für diese Ermüdung bei laufender Wiederhörung des „Bake Sale“ verantwortlich sind. In diesem Umfeld präsentieren M.I.A.s Labelkollegen auf XL Recordings elf Tunes, die an keiner Stelle auch nur ein bisschen schwächeln. Während im eröffnenden „What Up Man“ die Elemente „Clap“ und „Bass“ sich abwechselnd durch linken und rechten Lautsprecher pressen, um uns aufzuwärmen, festigt das folgende „One Two“ die unterkühlte Atmosphäre der zweiten Cool-Kids-EP – einer EP, die durchaus als Album durchgeht. Sich auf synthetische Sounds konzentrierend, bounct und flowt, hüpft und fließt, „The Bake Sale“ in die hörenden Zimmer und Ohren. Der Bass besitzt die falsche Wärme moderner Software und nur die energetischen Raps geben den Tracks einen menschengemachten Charakter. Selbst die hochgepitchten jazzigen Rhythmus-Strukturen in „What It Is“ sind dominiert von einer fast kalten Maschinenhaftigkeit. Nichtsdestotrotz beeindruckt das dumpfe, hypnotische Basswummern „A Little Bit Cooler“ ebenso wie die stumpfe Rhythmik in „Gold And A Pager“.

Zu behaupten, die Cool Kids sorgten für frischen Wind in den Segeln des HipHop, wäre eine echte Übertreibung, doch ihre Interpretation der Idee Neptunes-produzierter „Rapmusik“ im Stile De La Souls deutet zumindest einen Silberstreifen am Horizont an. Sollten ihre Intention im Musizieren oder ihr Ursprung in einem imaginären Lager des HipHop auch nicht an „The Bake Sale“ abzuhören sein, so deutet dieses Debüt doch an: Es gehe vor allem um Spaß und orientiert werde sich eher an den „größten“ und nicht den „besten“ des Genres. Aber stört das, solange es unterhält?

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