Max Müller – Die Nostalgie Ist Auch Nicht Mehr Das Was Sie Früher Einmal War

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Max Müller und seine Band Mutter gehören in gewissen kennenden Kreisen nicht nur zu den Geheimtipps, sondern vielmehr zu den absoluten Lieblingsbands. Max Müller und Mutter als nahezu vollkommen unbekannt zu bezeichnen, wäre keine Übertreibung.

Sicherlich wird auch Müllers aktuelles Solo-Album „Die Nostalgie ist auch nicht mehr das was sie früher einmal war“ kaum mehr als eine eingeweihte Minderheit erreichen. In einer besseren Welt mit höheren Einkommen, niedrigeren Plattenpreisen oder anderen Hörgewohnheiten würden seine hier präsentierten Lo-Fi-Schönheiten eines der Lieblingsalben des Jahres und ein sich gut verkaufendes werden.

Fehlerhaft, rau und wenig vorhersehbar finden sich auf „Nostalgie“ sechzehn mehr oder weniger kleine zwischen ambienter Elektronik und zart analoger Akustik liegende Stücke. Die Einfachheit der Arrangements, die immer wieder doch überraschen können, steht im Gegensatz zu Müllers absurd-bescheuerten bis genial-bestürzenden Texten. Sein Gesang ist nicht schön, seine Texte besitzen meist eine düstere, eine Verwerfungen aufzeigende Komponente, und trotzdem besitzen seine Lieder einen poppigen Charakter, der sie zu willkommenen Wegbegleitern im alltäglichen Auf und Ab macht. Dies bedeutet, dass sich bei aller hintergründiger Schwere dieser Musik die Arrangements doch mehr mit unseren herkömmlichen Hörgewohnheiten vertragen, als dies zum Beispiel häufig für FSK, die Goldenen Zitronen oder die Einstürzenden Neubauten gilt. Auch die grundsätzlich voller Bedeutung vorgetragenen Texte und ihr häufig tragischer oder zumindest ironisch-vorwurfsvoller Inhalt tun dieser Einschätzung keinen Abbruch.

Die Homogenität des Albums, die unaufgeregten, effektvollen, aber ebenso unauffälligen Arrangements sowie Müllers monotoner Gesang machen es schwer, Höhepunkte auszumachen oder negative Ausfälle zu formulieren. Ausreißer – ohne Wertung – sind sicherlich das rein klangliche „Märchwald“, die absurde WG-Küchen-Improvisation „Zwei (Antonia)“ sowie das elektronisch pochende „Zwei einsame Schizoide“. Musikalisch am Lohnendsten erscheint „Träumerei (Neurosen)“, wogegen textliche Höhepunkte vielfältig vorkommen mit „Frauenkrieg“, „Gürtelschnalle“ oder „Heimatmusik“. „Es reicht (schon lange nicht mehr)“ wiederum dürfte der in sich am meisten geschlossene Track auf „Nostalgie“ sein.

Max Müllers „Die Nostalgie ist auch nicht mehr das was sie früher einmal war“ mag damit nicht das einfachste Album des Jahres sein, aber mit FSKs aktuellem Werk oder Twines „Violets“ befindet es sich in guter Gesellschaft. Alben, die auf angenehm ruhige Weise – mit oder ohne – lohnenden Texten, den Hörer fordern und danach aber auch belohnen.

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