Leila – Blood, Looms And Blooms

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„Blood, Looms and Blooms“ stürzt sich sphärisch-technoid in unsere Gehörgänge. Sofortige Faszination stellt sich ein dank Leila Arabs Talent für klangliche Landschaften, Klangschaften. Vom Technoiden schlängelt sich das eröffnende „Mollie“ hin zum Noisepop, um ambient-klingelnd-verzerrt zu enden. Nach diesem umwerfenden Neugierde und Begeisterung weckenden Beginn präsentiert die Künstlerin ein Album, das zwischen purem TripHop der alten Schule und verträumter Poptronica hin und her pendelt. Ein Album, bei dem sie sich gegen Ende leider verzettelt.

Acht Jahre, nachdem sie auf XL Recordings „Courtesy of Choice“ vorlegte, folgt nun Leila Arabs drittes Album „Blood, Looms and Blooms“, das auf Warp erscheint. Die Exil-Iranerin und Electro-Produzentin widmet sich in ihren Tracks den verschiedenen Möglichkeiten aus Geräuschen, aus Klängen, Musik zu machen. Zwischen originalem Bristol-Sound und Dreampop finden sich Walzerrhythmen ebenso wie Folkmelodien, das Aufschlagen von Wassertropfen neben fast verschollenen Jahrmarktskarussellbeschallungen.

In der Spex schreibt Kirsten Riesselmann von einer „dunkelgold pulsierend[en]“ „Wunderkammer“. Eine Beschreibung, die gut zwei Drittel des Albums perfekt beschreibt. Wirkt der Ablauf aus TripHop und Dreampop, aus Poprock und Electro auch nicht immer zwingend, so verströmen doch alle Tracks eine einheitliche Atmosphäre und sind – sowieso – technisch perfekt und fesselnd. Die perfekte Symbiose aller Albumelemente bildet sicherlich „Mettle“, das zwischen Field-Recording-Kulisse und Massive-Attack-Reminiszenz mit My Bloody Valentine’schen Gitarrenwänden Akzente setzt.

So weiß „Blood, Looms and Blooms“ von „Mollie“ bis „Deflect“ zu gefallen und nicht nur mit dem Gesang von Martina Topley-Bird und Terry Hall von The Specials zu überraschen. Das unnötige und eher nervige siebenmillionste „Norwegian Wood“-Cover zerstört dann jedoch die Albumharmonie und langweilt. Nachfolgend wirkt der Rest wenig zusammenhängend und -passend. Dennoch findet sich hier zum Ende mit dem klassisch instrumentierten „Young Ones“ noch eine der kleinen Perlen des Albums.

Leila Arabs drittes Album mag vielfach nicht ganz zeitgemäß wirken, es mag gegen Ende auch etwas auseinanderfransen, und doch gehört es in seiner atmosphärischen Dichte und der Qualität der präsentierten Tracks sicher zu den positiven Überraschungen des Jahres. Viele dürften ein ernsthaftes TripHop-Revival verpönen, doch mit Portishead, Tricky und Leila Arab finden dieser Tage überzeugende Weiterentwicklungen und Neudenkungen des Genres ihren Weg in die Läden.

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