Neva Dinova – You May Already Be Dreaming

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Vierzehn Songs, eine knappe dreiviertel Stunde, Country oder Alternative-Country. „You May Already Be Dreaming“, das aktuelle Album von Neva Dinova, zwingt einem beim ersten Hören fast dazu, es als halbwegs langweilig abzutun. Zu bekannt erscheinen die Bezüge – Omaha, yeah, Saddle-Creek, yeehaa, Conor Oberst, etc –, zu wenig zwingend die gesamte Erscheinung. Kurz vor der Tour (August und September 2008), mitten im Sommer – oder was Sommer in diesem Jahr heißen mag – und somit knapp drei Monate nach Erscheinen des Albums klingt das alles deutlich freundlicher. Die geerdete, staubige, von Sägespänen überzogene Atmosphäre der vierzehn Songs entfaltet sich, sucht unaufdringlich einen Weg und überzeugt.

Die Schönheit dieses traditionellen, doch eher weißen Pops besteht eben in seiner Unscheinbarkeit, in seiner alkoholgeschwängerten latenten Unzurechenbarkeit, dem wohlerzogenen Suhlen in Weltschmerz und Selbstmitleid, in der kreativen Entladung der scheinbar schweren eigenen Last. Sowohl in den reduzierten, leisen wie in den aufbrechenden, vollen, lauten Momenten geht „You May Already Be Dreaming“ tatsächlich voll auf in der selbst gewählten Schublade. Erwartungen werden komplett erfüllt, Überraschungen bleiben aus. Zwischen alternativ folkigem Pop und traditionellerem Sangesgut wird mancher eben diesen Mangel bedauern, doch ist es andererseits gerade diese Reduzierung alles Experimentellen, die Neva Dinovas Reiz ausmachen. Zu behaupten, nur die Urväter dieser Musik dürften ihren Wurzeln frönen und gefallen, wäre schon arg lächerlich.

„You May Already Be Dreaming“ gewinnt durch seine traditionelle ungebrochene Grundstruktur. Es bildet einen Ort, in dem der Hörer sich ganz ungezwungen selbst versenken kann. Sein Gleichklang, seine Strukturtreue führen nie in die Langeweile. Wenn kurz vor Ende „Apocalypse“ dann tatsächlich die lieb gewonnene Ruhe verletzt, dann nur, um uns darauf aufmerksam zu machen, nach dem Verklingen des letzten Tons das Weitermachen nicht zu vergessen.

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