Arne Zank – Love and Hate From A To Z

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Tocotronic erreichten mit jedem ihrer letzten vier Studioalben die Top Ten der deutschen Albumcharts. Das neue Soloalbum von Arne Zank – aka der „Trommler von Tocotronic“ – erscheint in der greifbaren Welt dennoch ausschließlich als Vinyl und für die virtuellen Vögel zudem als Download.

„Love & Hate from A to Z“, so der Titel dieses ersten Solo-Albums in diesem Jahrzehnt, klingt sehr weit weg von seinem Compilationbeitrag „Ein junger Mann redet in der Bahn“ aus dem Jahr 1997. Electronic und Folklore befinden sich im dauernden Widerspiel, meist steckt die Songwriterlehre zurück und lässt dem elektronischen Klangbild den Vortritt, doch es ist immer beides zu erkennen. Vielleicht liegt es daran, dass „Love & Hate …“ nicht unter dem Namen von Zanks Alter Ego DJ Shirley erscheint.

Zwischen den Klangwelten eines Justus Köhncke oder eines Turner sowie klassischem Lo-Fi-Folkpop präsentiert sich Zank als mal sphärisch-hypnotisch, mal tanzbar und auch melancholisch-verquer-akustisch. Es erscheint erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit hier perfekte elektronische Pop-Kleinode präsentiert werden. Unabhängig davon, ob es schwül-schräge Ambientlieder sind wie „Feelings“, ob sich „El Rey Gravitas“ als unterkühlte Funkdekonstruktion präsentiert oder „Exzellenz“ tanzbar gerade voraus schreitet, die Stücke überzeugen und faszinieren. Vornehmlich instrumental und nur gelegentlich mit Zanks – bereits in Tocotronics Anfangstagen präsentiertem – Gesang versehen, gleiten die Tracks gelegentlich vielleicht etwas arg in ein esoterisch-ambient angehauchtes Fahrwasser – das auch schon das Cover impliziert –, doch stört das nicht.

Gleich zu Beginn führt „Acteure + Actricen“ als ausdauernde Lo-Fi-Electronica-Ballade einerseits in das minimalistische und dicht verwachsene Herz dieses Albums, leitet aber durch die zunächst akustische Inszenierung und den vorhandenen Gesang doch in gewissem Maße auf die falsche Fährte. Erst eben akustisch, dann der einsetzende gerade Beat. Harmonisch verwebt Zank diese beiden Pole und lässt die Songs sich weiterentwickeln, nimmt eine Spur weg, lässt zwei weitere hinzu stoßen. So befindet sich „Love & Hate from A to Z“ immer auf der Reise, führt uns in eine Ecke, schiebt uns sanft zur Seite und holt uns ab, um Neues zu entdecken. Die angeführten Referenzen Köhncke und Turner sind überall offensichtlich und machen klar: Revolutionär neu ist die Musik hier nicht, dafür bezaubernd und erquickend. Das gilt insbesondere auch für das sphärisch-paranoide „I don’t want to Go Home Tonight“ sowie die ziemlich balearischen Tracks „Do you do“ und „A Revolutionary Fairy Tale“. Mit „Ade“ dagegen zeigt Zank sich doch noch von der „Ein junger Mann“-Seite, und „Always with me“ klingt, als sei es von Simon & Garfunkel.

Nicht erst die „K.O.O.K. Variationen“ bewiesen das Interesse der Tocotronic-Mitglieder an elektronischer Musik. Mit „Love & Hate from A to Z“ legt Arne Zank die Messlatte ziemlich hoch für die neuen Werke seiner Mitstreiter. Ob Dirk von Lowtzow und Phantom/Ghost-Kollege Thies Mynther mit ihrem nächsten Album sie überspringen oder Jan Müllers Das Bierbeben mit ihrem vielleicht mal kommenden Erstling daran heranreicht? Vollkommen egal. „Love & Hate from A to Z“ wird mindestens bis dahin unterhalten und träumen lassen.

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