White Williams – Smoke

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Das letzte Mal, dass Electro und Pop so vollkommen eins waren wie auf White Williams‘ Debüt-Album „Smoke“ war wahrscheinlich auf der Junior Boys „So This Is Goodbye“. Aber beide zu vergleichen, führte mehr als einfach in die Irre.

Statt die Achtziger elektronisch-poppig neu zu denken, widmet Joe Williams sich ganz seiner Vorliebe für die Siebziger. Vorbilder, Vorlieben und Verweise greift er sich, zitiert sie, editiert, mixt und mischt sie in bester Mash-Up-Tradition zusammen. Jeden Track dominiert ein klarer roter Faden, der jedoch nicht immer so offenbar ist, wie im eindeutig T. Rex bzw. Marc Bolan nacheifernden „In The Club“.

Die Beats sind es dann, die dieses Album – wie auch die Junior Boys – tatsächlich im Hier und Jetzt verorten. Beats und Verzierungen, die, an der elektronischen Mash-Up- und Indietronics-Kultur geschult, nie aufdringlich und nur selten vordergründig daher kommen. Allein im Titelsong tragen sie wirklich den Track, und nur in „The Shadow“ fordern sie die Aufmerksamkeit für sich, spielen sie doch hier eine schmückende Rolle und schieben den Track ins Spannungsfeld aus psychedelischer Frühelektronika und ebensolchem Spätsechziger Jahre Britpop.

„Smoke“ drängt sich als Album nicht auf, schreit seine Qualitäten nicht heraus, sondern baut darauf, der Hörer werde sich ihm schon ausreichend widmen. Dieses Understatement erscheint dennoch hochgradig selbstbewusst. Vor allem jedoch macht das Album so weit verdammt viel Spaß. Es gefällt nicht nur nebenbei konsumiert, sondern steigert sich mit jedem Moment der Beschäftigung. Besonders das rausschmeißende „Route To Palm“ bildet nicht nur den wahrscheinlich stärksten Albumabschluss, den das Jahr 2008 bisher gesehen hat, nein, es reiht sich zudem mutig in die Reihe zum Casting des Songs des Jahres ein. Perfekt arrangiert, wunderhübsch in jedem Sinne des Wortes und voller Suchtpotential führt es aus dem White-Williams-Debüt hinaus und erinnert uns, ja nicht zu vergesslich zu sein.

Mit einem halben Jahr Verspätung kommt also auch Europa in den Genuss von „Smoke“. Seine Rezeption verhält sich dabei zu der des letzten Hot-Chip-Albums, wie Tiefschlaf zu einer ekstatischen Aufstiegsparty, doch spielen beide bei aller Unterschiedlichkeit definitiv in einer Klasse.

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