Munk – Cloudbuster

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Kraut Disco? Aha. So nennt sich das also. Problem dabei: Kraut klingt nach Kraut und Rüben. Nicht unbedingt eine positive erste Assoziation. Vor allem aber eine Einschätzung, die Gommas Mathias Modica und seinem Projekt Munk mit dem Album „Cloudbuster“ nicht gerecht wird.

Modica, Munk-Kollege Jonas Imbery und weitere Mitstreiter packen hier die funky Disco bei einem derzeit immer beliebter werdenden Schlafittchen und zerren sie perfekt arrangiert voran. Im Spannungsfeld aus DFA und Ed Banger positionieren sich Munk und ihr Gomma Label damit als dritten großen Player der qualitativ hochwertigen Gute-Laune-Elektronik. Von „Live Fast! Die Old!“ bis „The Knights Of Heliopolis“ macht das durchgängig Spaß, ist aber vor allem eben technisch perfekt. Einzig die Langzeitwirkung bleibt aus. Nach dem spektakulär grandiosen Opener „Live Fast! Die Old!“ mit Asia Argentos Vocals – der allerdings so auch schon vor zehn Jahren von Gonzales und Peaches hätte produziert sein können – bleibt nur noch wenig hängen. Wenn es dann doch aufhorchen lässt und zum bewussten Hinhören verleitet, kann es schon passieren, dass dies ebenso im Spaß an der Musik wie im übermäßigen Nervfaktor derselben begründet liegt. So geschehen im ebenfalls mit Asia Argento verzierten „No Milk“. Die zum Teil verzerrten Vocals gehen so dermaßen auf den Zeiger, dass sich tatsächlich Vergnügen daraus entwickelt. Das meiste jedoch ist perfekt knarzig blubbernder Synthie-Disko-Sound, der zu beiden Ohren rein geht, aber auf dem Weg zum Gehirn weg dissipiert.

Wie die geistesverwandten Acts auf DFA und Ed Banger – James Murphy wirkte auf dem Munk Debüt mit, The Raptures Matt Safer spielt auf zwei der Cloudbuster-Tracks Bass – funktioniert Cloudbuster im Spannungsfeld aus Modenschau und Tanzfläche im Rahmen der In-Crowd, gibt aber kaum Impulse nach außen. Nach dem Start mit „Live Fast“ und dem Ende mit „The Knights Of Heliopolis“ gibt es leider nur wenig verweilenswerte Punkte. Cloudbuster wird eingerahmt von diesen beiden Säulen, denn „The Knights“ ist einer dieser Tracks, für die Munk bewundert werden dürfen, wo sie mehr als einfach alles richtig machen. Sowohl zukunftsweisend wie Jazzfunk zitierend hüpft dieser Track durch die Hörgänge, kitzelt dich dort und da und wirkt wie eine Lachgasinfusion, um dann am Ende zerbrochen zu werden und als Horrorhörspielsoundscape zu enden.

Doch leider reichen ein fantastischer Einstieg und ein überwältigender Abgang nicht aus, das Album über Mittelmaß zu erheben. Dazwischen findet sich neben „No Milk“ gerade ein weiterer bemerkenswerter Track. „The Rat Race“ gönnt uns neben den Lyrics von Klaus Lemke vor allem ein Stück Musik, das der Hörer eigentlich The Faint zuschreiben würde und das somit das Warten auf deren neues Album verkürzt. Dafür allerdings gebührt Munk Dank. Ansonsten: Ein gutes Album, technisch vor allem, ansonsten, ähm ja, Kraut Disco wohl.

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