Midfield General – General Disarray

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Wenn ein Künstler der Big-Beat-Ära – so etwa zehn Jahre her – auf die Jungs von Justice, bzw. Ed Banger im allgemeinen trifft – was Damian Harris aka Midfield General die letzten Jahre tat – kann dabei eigentlich nur ein Nu-Rave-Mega-Party-Abgeh-HotHotHot-Hype-Album herauskommen. Gut, dass dem nicht so ist.

Allerdings startet „General Disarray“ nach dem Intro genau in diese Richtung. „Disco Sirens“ macht seinem Namen alle Ehre und gibt sich als Old-School-meets-Nu-Rave-Tanzflächenstürmer. Eher traditionell Big-Beat, wenn auch die eher ambiente Ecke bewohnend, folgt mit „137 Piano“ vielleicht der Track, der die Qualität dieses Albums definiert. Sowohl spannungsgeladen wie auch meditativ zaubert Harris hier eine Perle elektronisch entspannender Partymusik. Umso aggressiver folgt „Bass Mechanic“. Einerseits so bereits vor zehn Jahren möglich, filtert es doch noch einmal ein Extramaß Aktion und Aggression aus dem Ed-Banger-Kosmos.

Wo der ein oder andere gerade diese tanzflächenorientierte Gewalt des Sounds loben mag, ist sie doch der größte Kritikpunkt an „General Disarray“. Die Qualität seines Produktionstalents beweist „Midfield General“ gerade in den eher ruhigeren Tracks. Sei es die Coverversion des „Teddy Bear“-Country, das zurückgenommen vor sich hin tropfende „Dennis And My Sister“ oder das flirrend-chillige „Loving Laughter“, alle zeigen das Gespür für Sounds und Klänge, für die Inszenierung. Eine Fähigkeit, die natürlich ebenso in den knarzend-bollernden, vorwärts treibenden Tracks existiert, dort aber häufig unter lustig abfahrenden Wendungen verloren geht.

Andererseits ließen sich gerade „Teddy Bear“ und „Dennis And My Sister“ – letzteres mit einem Gast-Fußball-Kommentar des niederländischen Kommentators Jack van Gelder – als schwer hörbare „Witz-Tracks“ bezeichnen. Die These, in den ruhigen Stücken glänzte Harris, stützt jedoch „Seed Distribution“. Ein düster pochender Funk als Grundlage, die Vocals von Mighty Booshs Noel Fielding darüber, großes hörbares Kopfkino.

Natürlich leben der Künstler und das Interesse an ihm, eher von den feiertauglichen Tracks – deren Qualität absolut mit Digitalism, Hexstatic oder Justice mithält, oder sie sogar übertrifft, z. B. „Disco Sirens“, „On The Road“ und „Error“. Entsprechend beenden auch letzte zwei Bomben das Album. „On The Road“ kommt dabei funkig-diskolektronisch featuring Robots in Disguise daher, während „Error“ eher französisch justiert erscheint.

Am Ende des Tages ist „General Disarray“ ein Album für die Partyfraktion, die „Drei Tage Wach“-Meute des Melt-Festivals. Darüber hinaus zeigt es jedoch deutlich erweiterte Qualitäten, die ihm eine vielfältigere Öffentlichkeit sichern könnten.

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