Marc Romboy – Contrast

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Es mag sein, bei einem DJ-Set Marc Romboys könnten mich die Tracks, die er hier auf „Contrast“ zum Album versammelt, absolut in Ekstase versetzen. Auch ein anderer DJ, der diese Nummern in ein Set einfließen ließe, könnte mich damit möglicherweise mehr als nur vom Hocker reißen. Doch in die Form eines CD-Albums gegossen, die Länge eines Silberlings fast komplett ausnutzend, erscheint das doch als 73minütige Tour de Langeweile. Wobei …

… das stimmt so nicht. Nach fünfzehn Minuten spannungsloser Suppe findet sich „Iceland“, relativ bald folgt „Karambolage“, und nach mehr als einer Stunde weiß auch „Elif“ zum Albumabschluss mit seiner Verschmelzung aus technoider Musik und Saxophon noch halbwegs zu überzeugen. Aber sonst.

Mangelnde Vielseitigkeit ist es nicht, die Romboy zum Verhängnis wird. Die meisten Tracks weisen mehr als eine gute Idee vor. Die Umsetzung jedoch? Der Vorwurf der klanglichen Suppe trifft es ganz gut. Selbst der Spannungsbogen von „Iceland“ fängt nach vier Minuten arg an zu schlabbern, erst die Zerstörung der vorhergehenden Struktur und der folgende Reizaufbau lassen es in Erinnerung bleiben. Ansonsten treiben die Tracks halt vor sich hin, zeigen die technischen Möglichkeiten des Künstlers, doch darüber hinaus herrscht Stirnrunzeln. Die aufeinander stoßenden Beatkugeln in „Karambolage“ bilden eben eine weitere kleine Ausnahme.

Zumindest „Elif“ versöhnt gegen Ende noch einmal mit dieser arg lang geratenen Platte. Nicht nur gewinnt hier schon zu Beginn der Aufbau im Buhlen um unsere Aufmerksamkeit, nein, hinzu kommt ein Break, in dem sich Romboys Sound zwischen House und Techno mit einem einsamen Saxophon umspielt, umschlingt und dann verschmilzt, um anschließend wieder pur elektronisch aufzubrechen. Das ist nicht nur mutig gedacht, gilt doch das Saxophonsolo weitgehend als Kapitalverbrechen der Popmusik, sondern zudem genial umgesetzt. Aber es schafft es nicht, den Überdruss am Ende der CD zu überwinden.

Da bleibt nur noch zu sagen: Manchmal ist weniger wirklich mehr.

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