JDSY – Adage Of Known

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Joey Sims aka JDSY gehört wie Twine zu Ghostly Internationals Speerspitze des zwischen Electro und Akustik-Gitarre wechselnden avantgardistischen Pop. Sein digital erhältliches Debüt-Album „Adage Of Known“ auf Ghostly Int. zeugt davon. Zwischen Miniatur und gegensätzliche Ideen vereinenden langen Tracks verstecken sich durchaus begeisternde Stücke.

Schon das eröffnende „Else 2“ verdeutlicht, dass das Album zumindest eine kleine Anstrengung des Hörers benötigt. So locker perlend es auch sein mag, gehen doch allein hier eigentlich drei Songs eine eher verquere Vereinigung ein. Erst pluckert es, dann bricht es auf zum Entwurf eines großen Popsongs, um, wieder zurückgenommen, ambient-elektronisch weiter zu schreiten und dann alles zu vereinen. Diesem Beginn folgen drei wavig-technoide Electrotracks, bevor mit „Horizon Line“ der verwinkelt-dahingefrickelte, poppige Höhepunkt von „Adage Of Known“ folgt.

Den Rest der dreizehn Tracks gestaltet Sims mittels auf ihre Essenz reduzierter, kurzer Electro-Tracks, die er virtuos in unter drei Minuten so intensiv entwickelt, wie es vielen Kollegen der elektronischen Zunft nicht im Vierfachen an Zeit gelingt. So überzeugend diese kurzen Tracks sein mögen, so sehr sie zwischen Wave und Electro liegende melodische, populärmusikalische Kunstwerke sind, so stark verleitet ihre Kürze jedoch zu der Frage, ob sie ausschließlich Ausdruck der Begabung des Künstlers sind oder vielleicht doch eher von seiner Unentschiedenheit, eigene Entwürfe auszuwählen, und dem Unvermögen, größere Konzepte durchzuhalten, zeugen. Allerdings sind beide Vorwürfe frühestens bei einem Nachfolgealbum von Belang, das noch immer kaum mehr als vertiefte Skizzen präsentiert. Aktuell überzeugen die Tracks noch so sehr, präsentieren sich so geschlossen, dass jeder Zweifel unangebracht ist.

JDSY beendet „Adage Of Known“ wie es begann, mit einem Track, der eigentlich mindestens zwei ist. Zunächst atmosphärisch flirrend, bricht zur Hälfte ein harter Beat los, der aus „My Garage“ ein industrielles Ungetüm werden ließe, schälte sich nicht noch ein Synthesizersound hervor, der es zu Ende führt. In der Masse der Veröffentlichungen steht JDSY dennoch – wie auch Twine mit „Violets“ – sicherlich weitgehend auf verlorenem Posten, doch lohnt es sich, den Umweg über den Downloadshop zu gehen und sich mit dieser Veröffentlichung – wie auch dem Label Ghostly International – auseinanderzusetzen.

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