Erik & Me – Hundertsechzig Zeichen

am

Falsett-Gesang, melancholische Melodien, Arrangements, die sich vor den großen Schlenkern wie ebensolchen Gesten nicht fürchten. Polarkreis 18 versuchten das und – mal abgesehen vom Gesang – es gelang ihnen. Die Meisterschaft in diesem Bezug – mit deutschen Texten – errangen aber Voltaire vor um und bei zwei Jahren.

Erik & Me versuchen mit ihrem zweiten Album – dem ersten deutschsprachigen – ihnen diesen Titel zumindest zwischenzeitlich abspenstig zu machen. „Hundertsechzig Zeichen“ heißt das Werk, und der Band gelingt damit eine der Überraschungen dieses Frühjahrs. Andauernde Vergleiche von a (Erik & Me) mit b (Voltaire) sind unfair, aber kaum zu umgehen. „Seltsam“ und „Vielleicht“, die ersten beiden Lieder des Albums, fordern diesen Bezug zu lautstark ein. Ein Eindruck, der sich das Album über weitgehend nicht verflüchtigt. Dabei überwiegen im Grunde die Unterschiede. Erik (Lautenschläger) geht noch offensiver in die hohen bis höchsten Tonlagen als Roland Meyer de Voltaire, etwas, das verbunden mit der euphorisch-melancholischen Songführung schon stark an gewisse britische Kollegen erinnert. Darüber hinaus – aber das mag auch eher das inzwischen eingetretene Vertrauen mit dieser Art deutschsprachigen Pops sein – gehen Erik & Me beim Arrangieren etwas weniger mutig vor als die erwähnten Bonner. Auf „Hundertsechzig Zeichen“ steht im Zweifel doch eher der Ohrwurm- oder Mitsingcharakter im Mittelpunkt, als der kreativ ausgefeilte, überraschende Umweg. Diese fehlen jedoch dennoch nicht, so dass Innovativität plus Poppigkeit verbunden mit dem immer wieder durchblitzenden Wortwitz eine einfach antuende Vereinigung eingehen.

Gute Einfälle, wirklich zwingende Momente gibt es genug auf diesem zweiten, gereiften „Erik & Me“-Album. Der Holzbläser zu Beginn von „Finden“ gehört dazu, ebenso wie viele der Texte (z. B. „Wal“ oder „Frau Tagesschau“). Den absoluten Höhepunkt bildet aber sicherlich „Nur das Gras“. Einfach der perfekte Popsong, zwischen Americana – egal ob die Bläser nun echt oder aus dem Computer kommen – und klassischem Britpop angesiedelt, zieht die Band hier alle Register, um den Hörer zu gewinnen. Was gelingen sollte.

Mag das Album nicht durchgängig ein so hohes Niveau halten können, mag das Songwriting weder in allen Songs absolut zwingend noch simpel genug für den großen kommerziellen Erfolg sein, finden sich doch überwiegend wunderschöne Popsongs, die sowohl den Popper als den nerdigen Indiehörer ansprechen und belohnen. Melancholische Perlen und aufbauend-amüsante Sommerlieder wechseln sich ab, harmonieren und begeistern. „Hundertsechzig Zeichen“ mag nicht der ganz große Wurf sein, aber ein wirklich gutes Album ist es allemal.

Advertisements