Various – Our Psychosomatic Love²

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Im Zuge der Veröffentlichung des Debüts seiner größten Hoffnung Playfellow veröffentlicht das kleine Hohenstein-Ernstthaler Label „Sweet Home Records“ eine zweite Auflage seines Labelsamplers: „Our Psychosomatic Love²“. Zwischen Indie, Rock, Country und Elektro präsentiert dieser einen repräsentativen Überblick über die Bandbreite der Bands, die in der sächsischen Provinz eine Heimat gefunden haben.

Für den unverschämt günstigen Preis von 6 Euro ist der Überraschungssilberling über die Vertriebsplattform Poor Dog erhältlich. „Love²“ oder „Love squared“ ist dabei ein unschlagbarer Beweis dafür, wie vielfältig die Bandszene in Sachsen und darüber hinaus ist, wie viele fantastische Bands unter dem Radar selbst der kleinsten Öffentlichkeit Musik machen, ohne sich dabei vor bekannteren internationalen Künstlern verstecken zu müssen oder diese allein als Vorbilder anführen zu können.

Zwischen dem Noiserock von Erde & Plastik, dem klassischen Indierock, wie ihn hier Might Sink Ships zeigen, Bleeps und Clicks von Triac oder Americana von Calaveras finden sich fast ausschließlich hochwertige Songs von Bands, deren einziger Nachteil es tatsächlich ist, unbekannt zu sein. Einziger offenbarer Ausreißer mag das technisch zwar gelungene, doch an sich unnötige Kraftwerk-Cover von Radar sein. Auffallendste Glanzlichter des Ganzen sind sicherlich die Stücke von Enny 75, Bally.Hoo, rOeder und Playfellow, wobei weder Bombee+ noch Hikkimori noch Angel Aguìrre sich verstecken müssen.

In einer Zeit, wo jeder Hype wohlwollend weiter getragen wird, Bands schnellstmöglich aufsteigen und noch schneller verglühen, sich 2009 schon kein Mensch mehr an den Newcomer des Jahres 2007 erinnert, in dieser Zeit führt dieser Sampler vor Augen: Jedem – noch so gerechtfertigten – Lob (aka Hype) einer Band stehen zehn qualitativ ebenbürtige Künstler gegenüber, die entweder einfach übersehen werden oder aber tatsächlich Musik nur um der Musik wegen machen. So baut Sweet Home Records nach Eigenauskunft „auf der Idee auf, stark durch Zusammenhalt zu sein und durch den Wunsch Independent zu bleiben.“ Aus der – bösartig formuliert – Provinz kommt somit ein Sampler, der den reinen Kommerzgedanken in der Musikbranche relativiert und mehr lohnende Neuentdeckungen bietet, als ein Jahr NME-Lektüre.

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