Various Artists – Underscan Compilation

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Rock, Pop, Personal Computer, Internet. Die Zahl der Musiker, die ihre Kunst publizieren, wächst mit jedem Wort dieser Reihung an. Andere würden vielleicht Rock, Pop, Radio, TV, Internet, Web 2.0 schreiben, und es wäre korrekt, aber auch die Reihung Rock, Pop, HipHop, Electro transportierte die gleiche Botschaft. Solche Formulierungen implizieren zwei Wahrheiten: Erstens: Für jeden Künstler, der die Aufmerksamkeit eines nennenswerten Publikums erhält, fallen zehn durchs Raster, und das nicht etwa, weil sie schlechter wären; zweitens, wer immer behauptet, er kenne sich aus, präsentiert doch immer nur ein Halbwissen als umfassende Wahrheit.

Unter diesen Vorzeichen fasst das Berliner Electronica-Label Underscan seine vierteilige Vinylcompilation „Now 1 – 4“ nun auch auf CD zusammen. Electro aus Berlin ist inzwischen eine feststehende Marke, jedoch eine, die mehr für BPitch und Konsorten steht. Die verschwurbelte Glitch- oder Break-und-Cuts-Electronica, die Underscan hier präsentiert, steht dem in ihrer Qualität sicher in nichts nach, findet aber sicher ebenfalls nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit statt.

Dabei sind alle sechzehn Tracks auf „Now“ echte Entdeckungen – von Funckarmas düster pochendem „BRim“ bis zu Scanners hypnotischem, von Synthie-Streichern getragenen „Intereum“, das der Compilation einen grandiosen Höhe- und I-Punkt aufsetzt. Einen großen Teil des Albums machen gebrochene Beats und Kondensatoren aus, doch immer zwischendurch versteckt sich anderes. Dalezys „Silkweed“ ist eine süße kleine Popnummer, die wie mit Basic programmiert erscheint. Dagegen kommt „Slick“ von Quench als housiger Drum’n’Bass daher und „Separate Room“ von Everest ist absolut tanzflächentauglich. Menu:Exit mit „Querverweis“ sucht seine Heimat wiederum irgendwo zwischen Human Beatbox und Turntablism, und Frank Bretschneider präsentiert sich triphoppig.

Ein überzeugender Rundumschlag durch das Labelspektrum bildet „Now“. Bei dieser überschäumenden, elektronischen Kreativität wirken jedoch die angepoppten Nummern von Dalezy und Pytlik als die eigentlichen Höhepunkte. Wobei hier einmal mehr die Suche nach Höhepunkten unfair allen anderen Künstlern gegenüber ist.

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