Various Artists – Diamanten und Raketen II

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„Diamanten und Raketen“, Perlen und Kracher sozusagen. Die zweite Fleischwerdung der Compilationreihe aus dem Hause Klang Elektronik will erneut nicht einfach für das Label werben, sondern die Passion der Mitwirkenden beim Veröffentlichen ihrer Produktionen verdeutlichen. Insofern mixt Roman Flügel (u. a. Alter Ego) hier nicht einfach die größten Hits der letzten Veröffentlichungen zusammen, noch versucht er einen Label-Abend zu vertonen, vielmehr gestaltet er auf „Diamanten und Raketen II“ ein ganz subjektives Mixtape. Natürlich soll es sich verkaufen, aber jeder Zusammensteller eines solchen Tapes wünscht sich doch einen – wie auch immer gearteten – Erfolg durch seine Arbeit zu erreichen.

Anders als Alter Egos Schlumpftechno auf „Why Not?!“ bietet „D&RII“ absolut gelungene Unterhaltung. In den schlechtesten Momenten kann ich es gut hören, in den besten begeistert es mich bis in die letzten Fasern meiner Existenz.

Schon Anthony Shake Shakir aka Shake’s Beat Store mit „Bob“ zur Albumeröffnung stellt für den unerfahrenen Hörer klar: Klang Elektronik deutet Worte wie Klang und Elektronik in all ihrer Weite. Kein wie auch immer gearteter Techno startet die Raketen, ein Instrumental der Marke funky HipHop schmeißt uns hinein in das Bad aus Diamanten. Den Melt!-Big-Wheel-Floor-Jüngern wird jedoch nicht lange Ungewohntes zugemutet. Phage & Dreier präsentieren „Easy Peasy Lemon Squeezy“ als Schönklang-verliebten Minimal, der Genregrenzen überschreitend zu gefallen weiß. Experimenteller geht es mit Bored and Lazy und „The Expert“ weiter. Vielschichtige Klangeskapaden und -kaskaden zwischen Dub und Techno.

Im Folgenden ist nicht alles Atem verschlagend und aufregend, aber sich in „Synaptic“ zu verlieren ist einfach und gleiches gilt für das zwischen Marianengraben und Mount Everest pendelnde „Red on Black“, dem das stampfende „Brain Hoover“ in nichts nachsteht. Zurück zum – gutartigen – Lounge-Charakter der atmosphärischen Reisetätigkeit geht es mit „ELO“. Ein großartiger Diamant unter bisher doch vornehmlich Raketen. Klang-Gräberei in Höchstform. Im Stile von Laub schließt sich „Conversations“ an. Anstrengend, aber entlohnend, faszinierend und klanglich anspruchsvoll.

Bis zu Alter Egos abschließendem „Lavender“ folgen noch vier krachende Tanztracks. Je nach Laune ragen daraus Misc.s „Why Don’t You Listen“ oder Josts „Black Axis“ heraus. Immer jedoch fesselt „Ancient Echoes“ von The Sun God. Elektronische Vielseitigkeit in Perfektion, die Vorbilder der Synthesizer-Kultur im Blick und doch auf der Höhe der Zeit. Ein grandioser Gehirnf…, dessen Intensität kaum in Worte zu fassen ist, und der allein „Diamanten und Raketen II“ zu einer lohnenden Anschaffung machen kann.

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