Van Morrison – Keep It Simple

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Martin Scorseses Rolling-Stones-Konzertfilm kommt dieser Tage in die Kinos. Die Zuschauerzahlen dürften ungefähr den Verkaufszahlen der letzten Stones-Platten entsprechen. Nur relativ wenige dieser potentiellen Kinobesucher dürften von einem Gefühl des Déjà Vu durchflutet werden. Das wäre jedoch angebracht. Vor dreißig Jahren etwa bannte Scorsese bereits den letzten Walzer der Band bzw. von „The Band“ auf Zelluloid. Einer der Gäste bei diesem Konzertereignis: Van Morrison.

Wie die Stones ist dieser einer der Überlebenden dieser zweiten Generation der Popmusik. Vor die Wahl gestellt, eine neue Rolling Stones oder ein neues Van-Morrison-Album zu erwerben, siegte immer Mr Van Morrison. Dabei stand Morrison nie so weit im Fokus wie die heutigen Rock-Opas. Auch sein neuestes Werk versucht nicht irgendwo revolutionär daher zu kommen, alles neu zu machen oder krampfhaft jugendlich zu erscheinen. Da ist kein Gestus ewiger Jugend sichtbar, allein die Ausstrahlung im Musizieren und im Zuhören, etwas richtig zu machen.

„Keep It Simple“ verströmt durchgängig die Maxime seines Titels. Einfachheit. Etwas, das sehr leicht als langweilig gedeutet werden kann, und in der Tat gibt es Situationen, in denen das Album als zu einfach, zu wenig hörenswert erscheint. Andererseits gibt es genug Momente, in denen der – am Ende läuft es immer darauf hinaus, egal was die Zutaten seien – Rhythm and Blues des Van Morrison auf „Keep It Simple“ den Tag retten kann. Die Einfachheit, die Reduzierung der Spuren, die Klarheit der Instrumentalisierung geben Ruhe. Sie beruhigen.

Den Mangel an Überraschungen, der den Songs – egal ob eher soulig, R’n’B, Jazz, Blues, Gospel oder in vielen Momenten Country – vorgeworfen werden kann, kompensiert Morrisons Songwriting, das immer gut, und selbst hier manchmal sogar umwerfend schön ist. Nach mehr als vierzig Jahren des Musikmachens stellt „Keep It Simple“ sicher kein Meisterwerk dar, keinen Meilenstein, den Van Morrison da zur Mitte seines siebten Lebensjahrzehnts präsentiert. Dennoch ist ein lohnendes ein hörenswertes Album. In den meisten Momenten greift der durchschnittliche, populärmusikalisch interessierte Hörer sicher zu anderer Musik, seien es Arcade Fire, The Roots, R.E.M., Madonna. Doch in den Momenten, wenn die Wurzel der Musik gesucht wird, wenn Ruhe über alles geht, wenn einfach der Wunsch besteht, nicht in vollkommener Stille zu sein, die vorlaute Fröhlichkeit des Pop stört und Klassik doch etwas zu viel ist, in diesen Augenblicken des Nachdenkens, der Kontemplation und Konzentration, ist der Griff zu „Keep It Simple“ ein naheliegender, einer der hilft.

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