Tulsa – I Was Submerged

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Ein Mini-Album, kaum mehr als eine EP, das ausreicht, den Hörer vollkommen in der musikalischen Welt der Band gefangen zu nehmen. „I Was Submerged“ von Tulsa, erschienen auf Park The Van.

Im Kern steht die Stimme, der Gesang. Darum, darunter, oder sogar darüber, schichtet sich das Arrangement. Die Stimme, immer mit genügend Hall versehen, nimmt gefangen, greift einen, zieht einen an sich, umschlingt einen. Diese Fokussierung auf den Gesang, so berechtigt sie sein mag, lenkt ab, ab von den fantastischen Arrangements, mit denen Tulsa Carter Tantons Stimme ummalen, sie betonen, sie verstärken. Intensive Klangcollagen, die ebenso wichtig sind, die ebenso beitragen zu der einheitlich düsteren, aufbrechenden Stimmung auf „I Was Submerged“.

Mit einem gehörigen Einschlag fiebersumpfigen Südstaatenrocks ebenso wie einem Hauch balladesker Anti-Helden-Epen findet sich die Band in einer Position, die bei ihrem Talent eigentlich nur nach ganz oben führen sollte. Mit einem Songwriting, das, obwohl immer im gleichen Klangkosmos verbleibend, unglaublich talentiert erscheint, schichtet die Band Gitarre, Schlagzeug und Orgel künstlerisch in-, um- und übereinander. Wie ein Maler Farbakzente setzt, Farbpartien großzügig an- und übermalt, wie ein Bildhauer einerseits große Partien wegnimmt, andererseits jedoch auch einzelne Partien fast zärtlich behandelt, schweben die Songs hier zwischen großem Ausbruch, zarter Reduktion. Das Schlagzeug grundiert ebenso, wie es akzentuiert. Die Gitarren stehen nebeneinander, um sich im nächsten Moment in eine gemeinsame Einzigartigkeit zu verschränken. Durch diese Gemälde hindurch schlängelt sich der Gesang und seine Geschichten, der ihn umgebende Hall erzeugt eine klangliche und räumliche Weite, in der sich der Hörer verlieren darf oder soll.

Vom eröffnenden „Breath Thin“ mit seinem aufbrechenden, atemlosen Finale, dem akustisch beginnenden, emotional intensiven „Shaker“ bis zu „Rafter“, das dazu einlädt, sich in ihm zu verirren, und seiner kleinen Schwester „#2“ fesselt „I Was Submerged“ und reißt mit. Am Ende bleibt fast nur noch die Frage: Wie konnte ich bisher ohne diese Band leben? Fast.

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