The Breeders – Mountain Battles

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Wie schon bei „Title TK“ machen die Breeders es einem mit ihrem inzwischen dann doch vierten Album in knapp zwanzig Jahren nicht einfach. Kim und Kelley Deal mit ihren beiden Mitstreitern legen keinerlei Wert darauf, uns ein einheitliches Album zu präsentieren, plötzlich Pop zu machen – in all der möglichen alternativen Vielfalt – oder aber – im Gegensatz zu Pop – progressive Epen zu schreiben. Ihr Genre ist und bleibt der Alternative Rock, … in all seiner Weite.

So sehr aktuelle Entwicklungen gespiegelt werden mögen, besteht die eine Gemeinsamkeit der dreizehn Songs auf „Mountain Battles“ doch darin, immer wieder nach den späten 80ern oder frühen 90ern zu klingen, ohne dabei nur ansatzweise den Verdacht zu erwecken, die Retro-Nummer zu bedienen. Eine weitere vereinende Eigenschaft der doch eher divergierenden Songs ist ihre Intensität, eine Spannung, die nie ganz loslässt. Gerade das Auseinanderstreben der einzelnen Stücke stellt den durchschnittlichen Hörer wohl vor das ein oder andere Problem. Stilistische Vielfalt ging die letzten Jahre von Hype zu Hype immer mehr verloren.

Gemein mit dem Pop jedoch wäre fast die Auflösung, am Ende sollte es doch immer die Liebe sein. Aber der „Hit“ des Albums „It’s the Love“ schmeißt uns dann eben doch nicht hinaus aus „Mountain Battles“, sondern hinein in den Titeltrack. „It’s the Love“ klingt nach Sonic Youth ebenso wie nach Nirvana, funktioniert sicherlich ebenso auf dem Alternative-Rock-Tanzflur wie im Rockpop-Radio. Dagegen glänzt die Titelnummer gerade durch das Auslassen von Klang, durch die relative Stille, geschickt gesetzte Klanghighlights, Feedback, kurze monotone Gesangsfetzen, dann Ende. So zeigt sich einerseits songschreibende Genialität wie aber auch der Mut, den Hörer ratlos zu hinterlassen.

Bevor jedoch Hit und Anti-Hit um unsere bleibende Aufmerksamkeit streiten, lenkt uns zu Beginn „Overglazed“ auf falsche Fährte zwischen Glam und Noise, auf der Instrumente und Gesang vor allem zu kämpfen scheinen, bevor „Bang On“ als Dance-Alternative die gut geschulte Remix-Schule auf den Plan rufen dürfte. Bass und Beat übersteuern ebenso wie der Gesang. Dumpf und ungefeilt, Lo-Fi-Funk sozusagen. Danach erwischt uns das sanfte „Night Of Joy“ auf dem vollkommen falschen Fuß und wenn wir uns nach dem ebenso ruhigen und spannungsgeladenen „We’re Gonna Rise“ gerade in dieser Atmosphäre eingerichtet haben, … dreht sich das Karussell weiter. „German Studies“. Wüsste ich es nicht besser, schiene es mir, als hätten hier Surrogat die Schwestern Deal als Gastsängerinnen eingeladen. Kim Deal dagegen spricht von einem albernen Riff, auf deutsch gesungenen wagner’schen Harmonien sowie einem zwar angespanntem, jedoch ursprünglich mittelmäßigen Stück Musik. Auf Platte klingt es nun wie frisch aus der Garage entsprungen, mitreißend und zwiespältig.

Einheitlichkeit findet sich auch im weiteren Verlauf nicht. Zwischen spielerisch und intensiv, zwischen rockend und zwinkernd, geht unsere Reise nicht nur nach Istanbul sondern mit dem Bolero „Regalame Esta Noche“ ebenso nach Spanien wie mit dem Alternative-Country-Folk von „Here No More“ in den mittleren Westen der USA, wogegen „Walk It Off“ im Grunde wieder ein Alternative-Hit der Grunge-Ära ist.

So fordert „Mountain Battles“. Es braucht einige Durchgänge, um es zu mögen, aber kaum einen ganzen, um es schlecht zu finden. Anders und mit Kim Deals Worten im Pitchforkmedia-Interview: „Jedes Lied ist definitiv sein eigenes Lied. Und dann, wenn es zum nächsten Lied geht, ist das sein eigenes Lied.“ Dreizehn Songs, die alle für sich allein stehen könnten, die keine Angst haben müssen, sich gegen den einen der anderen durchsetzen zu müssen. Das macht es uns schwer, aber lohnenswert.

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