Teitur – The Singer

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Schiebe ich Teiturs Drittling „The Singer“ in den CD-Player, habe ich spätestens bei den ersten Tönen des zweiten Tracks „Your Great Book“ verloren. Irgendwo zwischen Antony und The Notwist angesiedelt nimmt es gefangen, ab da gibt es kein zurück, bzw. keine Chance mehr, das Album schlecht zu finden.

Bei „The Girl I Don’t Know“ schleichen sich dann Calexico, bei „Guilt By Association“ die Bright Eyes und beim eröffnenden „The Singer“ Rufus Wainwright in den Referenzreigen und stellen klar, festlegen lassen auf nordische Folksongs möchte sich der auf den Färöer geborene Künstler nicht. Vielseitigkeit als Waffe. Nicht der schlechteste Ansatz. Aber der Versuch, mit möglichst perfekten und dennoch kreativen Songs zu überzeugen, kann dennoch nach hinten losgehen. Eine Einschätzung, die „Catherine The Waitress“ in all seiner übertriebenen Indiefolkigkeit, seinem Kitschindiepop a la I’m From Barcelona scheinbar bestätigt. Scheinbar, weil es von den reduzierten, zerbrechlichen und vor allem sperrigen Nummern „We Still Drink the Same Water“ und „Legendary Afterparty“ eingerahmt wird, zwischen denen es perfekt platziert ist, da es die Trauer dieser ausbalanciert, bzw. seine Fröhlichkeit von diesen ausgeglichen bekommt.

Ein in sich geschlossenes Album, eine Einheit, ist Teitur mit „The Singer“ nicht gelungen. Vielmehr handelt es sich um eine Überraschungstüte voller Hits. Einmal zurückgenommen, reduziert mit schweren düsteren Streichern („Guilt By Association“), ein andermal verspielt-poppig („Catherine The Waitress“, „The Singer“). Was ihn wirklich interessiert habe und interessiere, sei Popmusik, betont Teitur. Pop in all seiner Vielfältigkeit, aber immer mit den Präfixen „Indie“ oder „Folk“, immer die Großen dieser Subgenres – und zwar alle auf einmal – vor Augen.

Diese kreative Offenheit des Künstlers eröffnen ihm natürlich gleichzeitig vielfältige Käuferschichten, sicher nicht unbeabsichtigt. So könnte „The Singer“ Teitur mindestens endgültig die globale Popularität des erwähnten Folkkitsch-Kollektivs I’m From Barcelona sichern, vielleicht aber sogar sowohl den anglo-amerikanischen als auch den kontinentaleuropäischen Verkaufserfolg bringen. Vom Nachfolger der „Young Folks“ bis zum neuen Adam Green stehen ihm mit diesem Album musikalisch fast alle Türen offen. Dass mir dabei die überschäumende Kreativität manchmal zu wenig fokussiert erscheint, die Produktion gleichzeitig zu glatt, bleiben da rein subjektive Vorbehalte. Fast jeder Song einzeln taugt zum Lieblingslied, wenn dann alle zusammen ein gewisses Stirnrunzeln hervorrufen: Geschenkt.

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