Sternbuschweg – Mein Herz Schlägt Weiter Jeden Tag

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Nicht einmal die Blogsuche gibt aktuelle Treffer. Die News erst recht nicht. Fast ohne jede Öffentlichkeit schmeißen Sternbuschweg dieser Tage ihr erstes Album auf den Markt: „Mein Herz schlägt weiter jeden Tag“. Wo Album- und Songtitel – wie leider auch manch ein Text – doch reichlich verkitscht daherkommen, zeigt sich in der Musik eine derartige Reife und ein Bewusstsein für vielfältige englischsprachige popmusikalische Vorgänger, dass es eine Freude ist.

Produziert von Tobias Siebert – sprich Vitamin Doppel-B aka Berlin-Beziehungen –, gelobhudelt – nicht nur – von Karpatenhund-Locas-in-Loves Björn Sonnenberg und von einigen da draußen sicherlich seit geraumer Zeit erwartet, präsentieren die vier Sternbuschweger sich achtzehn Monate nach den eigentlichen Aufnahmen nicht als die neue deutsche Pophoffnung. Doch liefern sie mit „Mein Herz schlägt“ einen weiteren Beweis für die Qualität der kleinen, regional und national mehr oder weniger unbeachteten Bands. Es manifestiert sich darin eine musikalische Leidenschaft, die weder gestern noch heute einen Millionenvorschuss der Industrie rechtfertigt. Sternbuschweg lösen nicht den kollektiven Kauf- oder illegalen Download-Rausch aus, den gewisse Hotelbesitzer ihren Bands gerne andichten. Vielmehr sitzen diese „Spree-Schüler“ auf einer kleinen Insel zusammen mit den Locas In Love. Hier singen sich beide Bands gegenseitig ihre kleinen Geschichten vor und lassen ihre treuen Beobachter / Zuhörer raten, welche angloamerikanischen musikalischen Linien der letzten 25 Jahre sie in diesem speziellen Arrangement jetzt zusammenfließen lassen. Wenn der Promozettel Stone Roses, Charlatans, Ride, Hamburger Schule, Smiths, The Jesus & Mary Chain sowie My Bloody Valentine nebeneinander dichtet, lügt er nicht, übertreibt nur maßlos. Wenn der Hörer Modest Mouse neben Smiths und Flowerpornoes denkt, liegt er ziemlich genau in der Schnittmenge, in der das alles und die Musik des Sternbuschwegs kulminieren.

Einmal lärmen die Gitarren etwas mehr bis zur Klangwand („Star“), andernorts baut die Band eine sperrige 80er-Jahre-Hymne („Meine Liebe Dauert Länger als der Kommunismus“) und gleich zu Beginn klingt doch eigentlich alles vertraut nach dem Mittelwert aus den Tocos und VJ! („Mein Herz schlägt…“, „Das Höchste der Gefühle“). Vielleicht klingt „Paula, Ich Liebe Dich“ ein wenig zu arg nach gewissen britischen Über-Vorbildern, vielleicht enthält manch ein Text etwas viel Herzschmerz, etwas viel Mich und Dich, möglicherweise besteht die Musik aus zu vielen Zutaten, sind Sterne, Superpunk, The Smiths und My Bloody Valentine im Kern inkompatibel, unter Umständen ist das aber auch egal. Dann nämlich, wenn Sternbuschwegs überfälliges Debüt-Album ein gutes – wenn auch kein herausragendes – Deutschpop-Album ist, das zwar keinen Tsunami auslösen wird, dessen leichte Wellen jedoch ausreichen, um in der ein oder anderen zugänglichen Seele Rippelmarken zu hinterlassen.

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