Northern Lite – Super Black

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Man muss Northern Lite nicht mögen. Vielleicht ist ihre Mischung aus Goth-, Techno- und Rock-Pop, aus DM, Schiller und QOTSA auch eher eine süd-ost-deutsche Angelegenheit. Seit sie mir mit ihrem Album „Temper“ aufgefallen sind, schreibe ich der Band jedoch ein gewisses Potential zu.

Zugegeben folgte daraus bisher noch nicht die Leistung, die ich mir versprechen würde. Auch das neue Album „Super Black“ bleibt auf halber Strecke liegen. Noch die kastrierte Promokopie, bei der die Songs nach etwa der Hälfte ausgeblendet wurden, suggerierte durchaus einiges. Es schien, als ob nur das Ausfaden die dreizehn Songs an größerem Vorankommen hindere. Ein Irrtum offenbar. Vielleicht liegt es an der Produktion, die das Album aus der guten Anlage nur matschig und verschwommen klingen lässt, vielleicht fehlt tatsächlich das kleine bisschen Talent im Songwriting. Ich weiß es nicht.

Monoton, unausgereift, ohne korrekten Spannungsbogen wirken die meisten Songs. Seien die Zutaten, Beats, Synthesizer und dunkler, rauer Gesang in Strecken noch so viel versprechend, zusammen fehlen den meisten Songs sowohl die Spannung als auch der beabsichtigte Pop-Appeal. Mag „Girl With A Gun“ noch so viel richtig machen, klingt es doch eher abgestanden. Die Freunde der Band dürften es mögen, der regionale Erfolg wird nicht ausbleiben, doch über allem schwebt nicht nur, aber vor allem klanglich ein Schleier. Weder Bässe noch Höhen bekommen in der Produktion die nötige Freiheit. Was durch die billigen Kopfhörer nicht stört, lässt einen bei etwas mehr Technik-Einsatz doch am Sachverstand von Band und Produzent zweifeln. Selbst die rockende Single „Girl …“ wirkt so unausgereift und billig.

Nicht nur die Single, auch das nachfolgende „If I Knew“ beweisen das Talent der vier Thüringer. Zwischen Stilmitteln des härteren Rocks, Gothic-geschultem Vocal-Einsatz und flickernden Electro-Versatzstücken entsteht besonders bei „If I Knew“ ein absolut gelungenes Stück Popmusik. Gleiches gilt für „Different“, das als Wave-Instrumental jedoch noch besser daher kommen würde. Damit hat die Band aber im ersten Drittel des Albums schon fast alle Highlights verbraucht. Allein die Coverversion von Chris Isaaks „Please“ kann gen Ende noch einmal aufhorchen lassen.

So bleibt einmal mehr die Feststellung: Northern Lite können einiges, doch schaffen sie es nicht, dies auf ihren Alben durchgängig umzusetzen. Wenn zudem das Klangspektrum nicht vollkommen ausgeschöpft wird, … bleibt viel Matsch.

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