Neon Neon – Stainless Style

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Eigentlich sollte eine Vorabkopie, die nur gut die Hälfte eines Albums beinhaltet, nicht besprochen werden. Verspricht und hält diese halbe CD jedoch so viel, wie es der „Promotional Sampler“ des Debüts „Stainless Style“ des Projekts Neon Neon tut, kann ruhig mal eine Meinung verbreitet werden.

Gruff Rhys und Boom Bip. Der kreative Brit-Pop der Super Furry Animals trifft auf ein althergebrachtes Produktionstalent aus LA. Dabei kommt ein – so weit bewertbar – unglaublicher Mischmasch heraus, der zwischen 80er Synthie-Pop, Middle-of-the-Road-Breitwand-Rock, Grime und Electro alles nutzt, um eine – für den Hörer eigentlich absolut unwichtige – Geschichte zu erzählen, die von John De Lorean. Wer das ist? Wie gesagt, ist das eigentlich egal, deshalb verweise ich mal auf Google.

Bei aller Vielseitigkeit erscheinen die Achtziger doch als einendes Klangelement. Wie abgefahren die Exkurse sein mögen, im Hintergrund scheint es meist doch „so eighties“. So funktioniert „Stainless Style“ als Hit-Compilation der 80er-inspirierten Hits, die immer schon hätten geschrieben werden müssen. Dabei verströmt alles einen synthetischen, maschinellen Charakter, eine Coolness – im 80er „Sprech“ – oder einfach Kühle, die – passend zur unnötigen Geschichte – Assoziationen zu neuartigen oder frisch produzierten Maschinenteilen weckt.

Allein der Titeltrack genügt, um das Album zu charakterisieren und zu mögen. Bei aller Kürze ist dieser kleine „Synthie-Gospel“ ein begeisterndes Stück eisiger Musik. In kalten Schweiß gebadet hingegen zeigt sich der Techno-Synthie-Funk „I Lust U“. Ein Song, der vor zehn wie vor zwanzig Jahren, aber auch und besonders heute, eigentlich jede Party aufmischen sollte – nein, nicht im Ed-Banger-Stil, sondern geschmackvoll, in weißen Anzügen mit rosafarbenen Krawatten und ebensolchen Socken.

Die besten Tracks des Album scheinen jedoch die HipHop-inspirierten Stücke zu sein, also die, bei denen Boom Bip trotz aller Beteuerungen des Gegenteils nicht allzu fern seines bisherigen Schaffens agiert. „Trick for Treat“ ist Cyber-Grime, wogegen bei „Sweat Shop“ und „Luxury Pool“ UK-Grime auf Missy-Elliott’sche Beat-Schulung trifft. Das Gelingen dieser Tracks wird durch die Mitwirkung von Spank Rock, Fatlip und Yo Majesty zumindest nicht behindert.

Wave-Eletronica („Raquel“), Achtziger-Mainstream-Wave („Steel Your Girl“) und Middle-of-the-Road-Rock („I Told Her On Alderaan“) vervollkommnen dann diese verkürzte Vorabkopie. Eine wahnsinnig stimmige, wenngleich abstruse Ansammlung grandiosen Pops verschiedenster Färbung vereint „Stainless Style“ also. Das geht natürlich nicht ohne Kitsch, und wem bei „Kitsch as Kitsch can“ sofort das Kotzen kommt, der ist hier sicherlich falsch aufgehoben. Für alle anderen eröffnet sich mit diesem Projekt eine bonbonfarbene Reise durch ein perfekt funktionierendes „Playboy’s Sportscar“.

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