Jamie Lidell – Jim

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Nachdem Jamie Lidell in den bisherigen Jahren seiner Karriere vor allem mit Vervielfältigungen seiner Persönlichkeiten auffiel, hat er sich für sein neues Album „Jim“ entschlossen, aus dem bunten Reigen seiner multiplen Charakteristika einen, eben Jim, herauszugreifen. Jim ist der weiße Funk-Soul-Brother reinen Wassers und somit wird „Jim“ ein zeitloses Soulfunkalbum. Zeitlos und perfekt. Makellos. Begeisternd, mitreißend. Auftrag erfüllt, Besprechung fertig.

So einfach geht es natürlich nicht. Doch tropft jedes weitere Wort nur in den gleichen Krug. Jim / Jamie widmet sich, ganz ohne doppelte Böden, seiner Verehrung der zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre, die Soul und Funk herrschte. So schrieb und produzierte er mit seinen Mitstreitern zehn Songs, die immer ihren Vorbildern treu bleiben, fast ohne (bis auf „Green Light“) sie zu kopieren. Wurzeln die Stücke also eindeutig in einem „vergangenen“ Genre, bilden sie doch alle eigene originäre Werke Jamie Lidells. Als solche sind sie perfekte Exemplare ihres Genres, ohne auf Samples zurückzugreifen oder die Musiker jener Zeit ins Studio zu locken.

Schuld an der Unfehlbarkeit dieser Songs, ihrer Makellosigkeit, sind sicherlich Lidell selbst ebenso sehr wie die erwähnten Kollaborateure. Neben den unverzichtbaren Mocky und Gonzales, wirkten vor allem Gonzales’ Kollege Renaud Letang, Nikka Costa sowie Justin Stanley – der auch schon für Beck produzierte – mit. Vereinfacht formuliert, poliert hier die gleiche Crew „Jim“ auf Hochglanz, die schon Feists „The Reminder“ zum Welthit machte, verstärkt um Justin Stanley.

„Jim“ versetzt einen weniger mittels Zeitmaschine in ein anderes, subjektiv besseres Jahrzehnt, vielmehr transportiert er den eh schon zeitlosen Funk in eine zeitgemäße und doch formtreue Gestalt. Diese ist äußerst homogen gelungen. Jeder Song ist ein potentieller Hit – von der Blackmusic- bis zur Indie- und zur Großraumdiskotheken-Tanzfläche –, wenig sticht heraus. Das wäre allerdings auch fast zu viel verlangt. Dem einen mag der zuckersüße 70er-Jahre-Sesamstraßen-Track „Green Light“ mehr zu sagen, dem anderen das aufwühlende, hart synthetisch rockende „Hurricane“, das so von Danger Mouse und Cee-Lo stammen könnte. Neben letzterem ist und bleibt Lidell sicherlich eine der großen männlichen Soulfunk-Stimmen der 00er Jahre. Subjektiv überzeugen am meisten die kraftvollen R’n’B- Tracks: das extrem funkige, von Gonzales geschriebene „Where D’You Go“, der Gospel „Another Day“, „Wait For Me“, das umwerfende „Out Of My System“, „Little Bit Of Feel Good“ und „Figured Me Out“. Da das ja schon die Hälfte des Album ist, sei abschließend über dieses absolut fantastisch zeitlose Soulfunk-Album eines Briten gesagt: Auch die Balladen sind nicht zu verachten, und eigentlich müsste Jamie Lidell mit „Jim“ so durchstarten, dass alle Joss’s und Amys da draußen neidvoll erblassen, eigentlich.

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