Gutter Twins – Saturnalia

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Musik als Heimat, als Rückzugsort, als letzte Zuflucht. Die Soulsavers fallen bei aller Kritik am Album unter diese Rubrik, Greg Dullis Twilight Singers umso mehr. Mark Lanegan und Greg Dulli perfektionieren auf ihrem Debüt als Gutter Twins nun dieses Gefühl.

Düster-intensiver Rock, der aus der Spannung, die zwischen beider Musiker Stimmen und ihrer jeweiligen Art des Songwritings herrscht, ein Maximum an Identifikation und Intensität herausholt. Der rockende Blues beider Musiker zehrt in den meisten ihrer Projekte zu einem nicht geringen Maß aus der Erinnerung an die ursprüngliche, schwarze Sklavenidentität, aus der nahezu alle aktuelle Musik des Popjahrhunderts entspringt. Dies transportieren sie dann auf eine fast spirituelle Weise zum Hörer.

So schaffen zwei kongeniale Arbeiter des Rock ein außergewöhnliches, bewegendes Album. Ein Werk, das aus allen Poren nach (harter körperlicher) Arbeit klingt, nach dem Wohlbefinden, das einen durchströmt, wenn man nach einem harten Tag (und fand dieser im klimatisierten Designstudio statt) die Tür zur Bar (nicht Kneipe) der Wahl aufstößt und an seinem Stammplatz schon das Glas zurecht gerückt wird. Des Weiteren transportieren Dulli und Lanegan auf unbeschreiblich effektive Art und Weise den Kulturpessimismus einer Generation, die von ihren Helden – die beiden Musiker nicht zuletzt selbst – enttäuscht wurde und deren Befreiungserlebnis – das Ende des kalten Kriegs – so schnell in neue Krisen umschlug, dass ein freudiges Lachen im Hals stecken blieb. Musik, die Leser der Comics von Peter Bagge zwanzig Jahre nach ihrem Erscheinen fragen lässt: Wo sind diese zwei Jahrzehnte geblieben? Im Kern ist „Saturnalia“ damit ein ausschließlich amerikanisches Album, das jedoch durch die Amerikanisierung der Welt allgemein verständlich wird.

So präsentieren die Gutter Twins nicht zuletzt eine bösartig als gefühlsduselig, rückwärtsgewandt zu bezeichnende Musik. Eine Musik voller Energie, angestauter Gewalt, der nur ganz selten erlaubt wird, sich Bahn zu brechen („Circle the Fringes“). Der Aufbau von Tatendrang, die Suggestion von Handlungsbedarf, deren Befriedigung ausbleibt, zeichnet „Saturnalia“ aus.

Daran tragen das vielschichtige Songwriting der beiden Künstler sowie seine Umsetzung einen maßgeblichen Anteil. Nicht zuletzt jedoch erzeugt das Wechselspiel der beiden unverwechselbaren blues-(, whiskey-, zigaretten-, koks-) getränkten Rockgesangsstimmen von Dulli und Lanegan die Atmosphäre des Albums. Eine Alternative-Supergroup bilden die beiden eh, ein zeitloses Alternative-Meisterwerk haben sie mit „Saturnalia“ zudem geschaffen.

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