Gonzales – Soft Power

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Feist, Peaches, Jamie Lidell, Mocky, Taylor Savvy. Wer fehlt in dieser Reihe?

Gonzales – bitte als Gonzzzzssaless gesprochen. Onkel Gonzo. Chilly Gonzales. Oder sollte ich im Wissen um „Soft Power“ vielleicht lieber von Cheezy Gonzales reden?

Drei Wahrheiten über ihn und sein neues Album sind: 1. „Soft Power“ ist fantastisch. 2. Es ist kitschig, cheezy, retro bis zum „Gehtnichtmehr“. 3. Sei es nun ein Konzeptalbum zum dreißigjährigen Jubiläum des Jahres 1978 oder einfach nur eine Laune des Mr. Gonzales, der verrückte Kanadier macht keine halben Sachen.

Irgendwo zwischen dem Klang von „Harold & Maude“, „Almost Famous“ und „Chess“ suhlt sich der Künstler in der Seichtigkeit all dessen, was Pop sein kann. Damit wir das nicht zu ernst nehmen, listet das Booklet ergänzend die Gewinner der Grammys von 1978, mit der kleinen Ergänzung, „Best Producers of the Year“ seien Gonzales und Renaud Letang. Natürlich für „Soft Power“.

Mit der Arroganz des Künstlers, der eh nicht für die große Masse lebt, der mit der Kooperation mit erfolgreicheren Künstlern den Lebensunterhalt sichert, erlaubt sich Gonzales, aus Scheiße Gold zu machen, bzw. im Ausleben eigener Vorlieben uns noch eine Geschichtsstunde im Pop der 70er zu geben. Dabei läuft er fröhlich klauend durch den popmusikalischen Gemischtwarenladen dieses Jahrzehnts und verziert die gefundenen Versatzstücke an den nötigen Enden und Ecken nicht nur mit dem ihm eigenen Un- oder Sprechgesang. Die Mitwirkung der gesamten Clique von Feist bis Jamie Lidell sowie von Howie Beck und Matthew Flowers gibt dem Ganzen dann noch einen besonderen Reiz.

In diesem Stil reiht sich hier ein Hit an den anderen und wenn die Welt nicht ungerecht wäre – bzw. das Gonzales’sche Augenzwinkern nicht zu laut –, verkaufte sich „Soft Power“ wie geschnitten Brot in einer Retro- und Musical-infizierten Tonträger-Landschaft. Sagen wir es anders, wer glaubt, Schnuffel sei lästig auf Nummer eins, sollte sich erstmal vorstellen, wie es wäre, den gesamten Sommer von „Unrequited Love“ beschallt zu werden. Hach wäre das schön … und anstrengend für alle, die „One Night in Bangkok“ so richtig schlimm finden, was wahrscheinlich doch eine Menge sind.

Seine Vielseitigkeit hatte Gonzo spätestens mit seinem „Solo Piano“ bewiesen. Seinen Ruf als Freak schon viel länger. Beides zusammen macht nun den Reiz von „Soft Power“ aus. Du hasst Pop der 70er. Tja, Pech gehabt. Du liebst ihn? Möglicherweise auch Pech gehabt, denn Gonzos Blick darauf könnte dich überfordern. Ansonsten: Kaufen.

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