Cargo City – How To Fake Like You Are Nice And Caring

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Wenn ein Debüt-Album in all seinen Einzelteilen klingt, als habe man es schon hundertmal gehört, wenn jeder Ton, jede Harmonie vertraute Saiten anschlägt, ist das dann ein Zeichen, der Künstler kopiere, oder spricht es doch eher für sein Talent, zeitlose Popsongs zu schreiben? Was heißt es zudem, wenn der Sänger selbst von seinem Stück als der Kopie der Kopie einer Kopie eines Liebesliedes singt?

Die Antworten auf diese Fragen sind im Grunde vollkommen irrelevant, solang die entstandenen akustisch und elektronisch poppigen Songs aus Gitarre und mehr so überzeugen, wie es die Werke aus Simon Konrads aka Cargo Citys Feder tun. Die Single „Ode To No One“ zeigt gleich zu Beginn, wo die Reise hingeht. Poppig-eingängige Melodien, Texte zum Mitsingen. Die Eröffnung erwischt bei der Ankündigung Singer / Songwriter auf dem falschen Fuß, der beginnt mitzuwippen, und schnell ist klar, dass Cargo City das Zeug hat zum großen Radioplay. Weniger eintönig bzw. kitschig als James Blunt, mit Drumcomputer unter Uptempo-Indiepop, bedienen Simon Konrad und Band alle Bedingungen um vom Uncle Sally*s- bis zum Welt-Leser, vom YouFM- bis zum Antenne-Hörer die Ohren, Herzen und Brieftaschen zu erweichen.

Einprägsam und antuend setzt sich „How To Fake Like You’re Nice And Caring“ fort. Mit „Remote Control“, „Butterflies“, „Drunken Trojans“ und „When I Sleep I Disappear“ reihen sich potentielle Singleauskopplungen aneinander. Beatles, Placebo, Smashing Pumpkins, Damien Rice zusammengemischt, Rice und JohnPaulGeorgeundRingo betonend, folgt ein spannungsgeladener Popsong auf den nächsten, vermischen sich zuckersüßer Popansatz und emotionaler Drang um? sich auszudrücken, der eigenen Seelenlast Luft zu machen.

Erst „Kennedy And Monroe“ bremst ab, lässt den Gefühlen freien Lauf, ohne sie im Pop zu verstecken, um so erst recht zu gewinnen. Im gleichen Fahrwasser folgt „All By Myself“. Die Sperrigkeit des Indiedarlings verbinden Konrad und Konsorten geschickt mit der Zugänglichkeit des potentiellen Hits. Der Pop dominiert die erste Albumhälfte, die zweite verlangt vom angestrebten Pophörer, von der großen Käuferschicht häufiger ein klein wenig mehr Mut, Anspruch. Etwas, das dieser nach der Belohnung der ersten Hälfte jedoch sicherlich gerne bereit ist zu investieren.

Dem arroganten – äh, geschmackssicheren – Indiepublikum könnte das zu viel Wohlklang, zu wenig Anspruch sein, den Radiomachern dennoch der Mut zum Airplay fehlen, aber im Moment traut sich der untalentierte Prophet zu schreiben, wo – böse formuliert – Reamonn auf Juli treffen, steht der Karriere zwischen The Dome und Bravohits wohl nur wenig im Wege. Positiver gesagt, „How To Fake“ ist ein Album, das alle möglichen Zielgruppen geschickt und talentiert zu bedienen weiß. Es mag am Ende des Jahres vielleicht nicht in den Top 25 der Jahrescharts auftauchen, eine lohnenswerte Entdeckung ist Simon Konrad mit seinen Mitstreitern als Cargo City immerhin.

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